Kommentar Günther Marx zum Kosovo-Konflikt Kosovo-Konflikt: Alles nur Theater

Günther Marx
Günther Marx © Foto: Gerd Markert
Berlin / Günther Marx 10.09.2018

Für eine kurze Weile sah es so aus, als käme in die festgefahrenen Fronten zwischen Serbien und dem Kosovo Bewegung. Die Präsidenten beider Länder, Vucic und Thaci, hatten Vorstellungen über einen Gebietsaustausch entwickelt. Eine Einigung schien zum Greifen nahe. Ein von Albanern bewohntes Gebiet im Süden Serbiens sollte an den Kosovo gehen, eine von Serben bevölkerte Region im Norden Kosovos an Serbien.

Der Vorschlag hat seine Tücken und wurde nicht nur von den eingefleischten Nationalisten in Belgrad und Pristina abgelehnt. Auch Berlin war skeptisch, denn ein Gebietsaustausch entlang von Sprachgrenzen hätte auf dem multiethnischen Flickenteppich Balkan die Gefahr eines Dominoeffekts heraufbeschworen, der Staaten wie Bosnien-Herzegowina oder Mazedonien zerbrochen hätte.

Aber Vucic und Thaci hatten sich aufeinander zubewegt. Das hätte nach Jahren der Anfeindungen und Blockaden der Beginn eines Prozesses sein können, an dessen Ende die staatliche Anerkennung des Kosovo durch Serbien gestanden hätte – eine Voraussetzung für die Aufnahme beider Staaten in die EU. Die EU-Außenbeauftragte Mogherini war zur Vermittlung bereit. Dann aber platzt das Treffen in Brüssel. Die Herren reden mit Mogherini, doch nacheinander, nicht gemeinsam – und reisen ab ohne Erklärung. Aus Vucics Entourage verlautet nur, es bestünden nicht mehr die geringsten Bedingungen für einen Dialog. Alles nur Theater!

Der Westbalkan bleibt ein Spannungsfeld, das wenig Hoffnung auf Fortschritt macht. Brüssel ist für die Region das Ziel, doch untereinander gibt es wenig Versöhnliches, dagegen Politik-Inszenierung statt Politik.

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