Trotz der Coronavirus-Krise sind heute bei der Parlamentswahl in Südkorea Millionen von Menschen wählen gegangen. Die Wahl gilt nicht nur als allgemeiner politischer Stimmungstest, sondern dürfte auch zeigen, wie die Wähler das Krisenmanagement der Regierung bewerten.

Die regierende Demokratische Partei Koreas (Minjoo) des gemäßigt linken Präsidenten Moon Jae In ging dabei als Favorit ins Rennen. Ziel der konservativen Vereinigten Zukunftspartei (UFP) - der größten Oppositionspartei - war es, eine klare Mehrheit des Regierungslagers in der Nationalversammlung zu verhindern.

Es geht um die Verteilung von 300 Mandaten. Fast 44 Millionen Südkoreaner konnten ihre Stimme abgeben. Sieben Stunden nach Öffnung der Wahllokale lag die Beteiligung bei 49,7 Prozent, um 11,8 Prozent höher als vor vier Jahren, wie die nationale Wahlkommission mitteilte. Dabei wurden die abgegebenen Stimmen der Vorauswahl am vergangenen Freitag und Samstag eingerechnet. Um größere Menschenansammlungen zu vermeiden, hatten zahlreicher Wähler die Möglichkeit der frühzeitigen Stimmabgabe genutzt.

Die Wahl wird von der Corona-Pandemie überschattet. An den landesweit mehr als 14 300 Wahllokalen wurden besondere Schutzvorkehrungen getroffen, um das Risiko einer Infektion mit Sars-CoV-2 zu verringern. Südkoreanische Fernsehsender zeigten, wie darauf geachtet wurde, dass die Wähler in der Warteschlange mindestens einen Meter Abstand zueinander hielten. Zudem mussten sie eine Maske tragen und beim Ausfüllen des Wahlzettel Einmal-Handschuhe überziehen. An den Wahllokalen wurde zudem bei jedem Wähler Fieber gemessen.

Die Wahl in Asiens viertgrößter Volkswirtschaft ist vor allem ein Zweikampf der Demokratischen P

artei und der UFK. Die Regierungspartei hofft, ihren Erfolg bei der Parlamentswahl von vor vier Jahren wiederholen zu können, als sie überraschend stärkste Einzelpartei wurde. Dabei könnte sie nach Meinung von Beobachtern von den zuletzt wieder gestiegenen Beliebtheitswerten für Präsident Moon profitieren.

Die Strategie der Regierung zur Bekämpfung des Covid-19-Ausbruchs wird von einer Mehrheit der Südkoreaner befürwortet. Dank seines rigiden Virustestprogramms wird das Land mittlerweile als Vorbild für die Eindämmung des Virus gesehen.

Zuletzt hatten sich die täglich gemeldeten Fallzahlen bei unter 50 stabilisiert. In dem Land wurden bisher mehr als 10 500 Infektionsfälle offiziell erfasst. Neben dem Umgang mit der Covid-19-Krise waren die Folgen der Pandemie für die Wirtschaft und soziale Fragen wichtige Themen. Die nächste Präsidentenwahl ist für 2022 vorgesehen.

Vor der Parlamentswahl hatten sich zahlreiche kleine Parteien gegründet. Um die Mandate bewarben sich Kandidaten von insgesamt 41 Parteien.