Kaum eine andere Frage ist so von politischem Wunschdenken geprägt wie das bedingungslose Grundeinkommen. Ein Bürgerlohn könnte den Sozialstaat grundlegend umkrempeln. Bisher gab es jedoch kaum wissenschaftlich sichere Erkenntnisse über das menschliche Verhalten im Falle eines bedingungslosen Einkommens. Aus Finnland liegen nun erste Ergebnisse zu einem Experiment vor.

Ausgerechnet Finnlands bürgerlicher Ministerpräsident Juha Sipilä hat dafür gesorgt, dass 2000 zufällig ausgewählten arbeitslosen Finnen im Alter zwischen 25 und 58 Jahren 24 Monate lange steuerfrei monatlich 560 Euro bedingungslos ausgezahlt wurden. Ohne Abstriche kamen Zusatzleistungen wie Kindergeld und, falls die Arbeitslosen eine Arbeit fanden, auch das Gehalt hinzu. So sollten Arbeitslosen auch schlecht bezahlte Jobs schmackhaft gemacht werden, aus denen sich vielleicht später eine gute Anstellung entwickelt. Zudem könnte langfristig der teure staatliche Kontrollapparat für Sozial- und Arbeitslosenhilfeempfänger abgeschafft werden.

Die 2000 Empfänger des Bürgerlohns wurden mit einer Kontrollgruppe von Arbeitslosen verglichen, die die klassische, an zahlreiche Bedingungen und Einschränkungen geknüpfte Arbeitslosenunterstützung erhielten. Nach der Auswertung des ersten Jahres waren die Bezieher des bedingungslosen Grundeinkommens nicht fauler bei der Arbeitssuche. Ihr Beschäftigungsgrad war mit 43,7 Prozent leicht höher als bei den anderen Hilfsempfängern. Allerdings hatte die Regierung gehofft, dass die Bürgerlohn-Bezieher noch deutlicher darüber liegen. Insofern war das Experiment eine Enttäuschung.

Mehr Selbstvertrauen

Gleichzeitig erlebten die Nutznießer aber einen deutlich höheren Grad an Wohlbefinden und Selbstvertrauen als die Vergleichsgruppe. „Sie hatten weniger Stresssymptome, weniger Konzentrationsschwierigkeiten und weniger gesundheitliche Probleme. Sie sahen die Zukunft und ihre eigenes Vermögen, diese zu gestalten, viel optimistischer“, sagt Minna Ylikännö von der finnischen Versicherungsanstalt. Arbeitslose mit wenig Selbstvertrauen brennen oft psychisch aus.

„Unsere Resultate entsprechen denen von ähnlichen Experimenten in den USA und Kanada“, so Forschungsleiter Olli Kangas. Eigentlich hatte der Experte darauf gehofft, eine größere Gruppe mit einem höheren Grundeinkommen testen zu können. „560 Euro und 2000 Personen sind eigentlich zu wenig“, sagt Kangas. Ein Grundprinzip des Grundeinkommens wurde zudem im Experiment weggelassen. Eigentlich sollten auch Bürger Geld erhalten, die nicht arbeitslos sind.

Die derzeitige Regierung kann sich dennoch vorstellen, ein Grundeinkommen einzuführen. Aber erst einmal wird in Finnland im April gewählt.