Syrien Entscheidungsschlacht um Idlib steht bevor

Vorbereitungen für den erwarteten Angriff auf Idlib: Ein Kämpfer der NLF an einem Schützengraben.
Vorbereitungen für den erwarteten Angriff auf Idlib: Ein Kämpfer der NLF an einem Schützengraben. © Foto: Omar Haj Kadour/afp
Damaskus / Martin Gehlen 04.09.2018

Der syrische Bürgerkrieg steht vor seinem blutigen Ende – der Schlacht um die letzte Bastion Idlib und der endgültigen Niederlage der Rebellen. Am Freitag reden Russland, der Iran und die Türkei noch einmal in Teheran.

Wie ist die Lage in der Rebellenenklave? In der letzten Hochburg der Assad-Gegner leben rund drei Millionen Menschen, von denen die Hälfte Binnenflüchtlinge aus anderen Teilen Syriens sind. Die Hälfte aller Krankenhäuser liegt in Trümmern. In die Türkei können die Menschen nicht. Der Nachbar im Norden, der bereits 3,5 Millionen Syrer aufgenommen hat, hält seine Grenzen dicht.

Welche Strategie verfolgt Russland? Moskau inszenierte sich zunächst als Mittler, der das Blutvergießen verhindern könnte. Dazu bot Präsident Wladimir Putin an, seinen Schützling Assad von einer offenen Feldschlacht abzuhalten, wenn Europa im Gegenzug die ersten Milliarden für den Wiederaufbau locker macht. Angela Merkel lehnte ab. Moskau verlegte danach zehn Kriegsschiffe und zwei U-Boote ins östliche Mittelmeer. Sie sind mit Raketen ausgerüstet, die jeden Ort in Idlib treffen können.

Welche Rolle spielt der Iran? Iran ist am Freitag Gastgeber des Syriengipfels. Die iranischen Hardliner setzen auf einen totalen Sieg ihres Verbündeten Assad. Die moderateren Politiker jedoch wissen: Sollte es zu der von der Uno befürchteten humanitären Katastrophe kommen, würde sich der Iran international weiter isolieren und auch die europäischen Partner, die am Atomvertrag festhalten, gegen sich aufbringen.

Welche Interessen hat die Türkei? Der Türkei fällt als unmittelbarer Grenznachbar eine Schlüsselrolle zu, auch wenn die Regierung in Ankara die Offensive des Regimes, unterstützt von iranischen Bodentruppen und russischen Kampfflugzeugen, weder politisch noch militärisch abwenden kann. Außenminister Mevlut Cavusoglu gab beim Besuch in Moskau offenbar grünes Licht für eine Offensive gegen Hochburgen der Extremisten. Seine Regierung verstehe die Sicherheitsbedenken Russlands in Idlib, erklärte er: „Die Kämpfer müssen von den Zivilisten getrennt, und die Terroristen unschädlich gemacht werden.“

Lässt sich die Tragödie von Idlib noch abwenden? Das syrische Regime ist zu allem entschlossen. „Idlib ist nun das nächste Ziel“, kündigte Diktator Bashar al-Assad Ende Juli an. Seitdem zieht ein endloser Konvoi von Militärlastwagen gen Norden. Der Gipfel am Freitag in Teheran kann diese massive militärische Dynamik nicht mehr aufhalten. Und so wird wohl nur noch abgesteckt, in welchen Etappen das letzte Gemetzel des syrischen Bürgerkriegs ablaufen wird.

70 000 Bewaffnete in der Region

Knapp die Hälfte der 70 000 Bewaffneten in Idlib gehören zur Al-Kaida-nahen Hayat Tahrir Sham (HTS). Sie lehnen jegliche Verhandlungen ab. Sie kontrollieren 60 Prozent der Provinz. Anfang August schlossen sich alle Nicht-Al-Kaida-Kämpfer zur „Nationalen Befreiungsfront“ (NLF) zusammen, einem von der Türkei unterstützten Kampfverband. geh

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