Kommentar Ellen Hasenkamp zum deutsch-französischen Freundschaftsvertrag Elysée 2.0

 Ellen Hasenkamp,SWP Redakteur, Redaktion Berlin, NBR,Autorenfoto 2018
Ellen Hasenkamp,SWP Redakteur, Redaktion Berlin, NBR,Autorenfoto 2018 © Foto: Marc Hörger
Berlin/Paris / Ellen Hasenkamp 10.01.2019

Nein, diesmal müssen keine Nachkriegsgeister gebannt oder so genannte Erbfeindschaften beendet werden. Knapp 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs und 56 Jahre nach der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags darf die deutsch-französische Freundschaft als gesichert gelten. Es wird kooperiert auf allen möglichen Gebieten von der Außenpolitik bis zur Zahntechnik. Die Frage, warum es ausgerechnet jetzt ein neues Freundschaftsabkommen, das Aachener Vertrag heißen soll, gibt, ist also berechtigt.

Die spektakuläre Dimension von 1963 hat das Ganze nicht mehr. Doch das Aufbügeln könnte sich lohnen. Da sind zum einen die völlig veränderten Rahmenbedingungen von Globalisierung bis Digitalisierung, an denen die Schwerpunkte der Zusammenarbeit neu ausgerichtet werden müssen. Da ist außerdem der Wunsch, in einer Zeit politischen Auseinanderdriftens der Welt und der EU mit einem engen Partner noch ein Stückchen näher zusammenzurücken.

Von daher können die 15 Seiten auch gelesen werden als Dokument der Verunsicherung, gegen die man sich wappnen will. Wappnen womöglich gegen nicht mehr völlig undenkbare Zustände, in denen dies- oder jenseits des Rheins die deutsch-französische Verbindung sogar in Frage gestellt werden könnte. Und schließlich enthält der Text einige Vorstöße in die konkrete Wirklichkeit der Nachbarschaft. So sollen bestehende Hürden für grenzüberschreitende Vorhaben – Bahn und Busverbindungen, Umweltschutz, Gesundheitsversorgung – aus dem Weg geräumt werden. Wie sehr die Bürger sich für den Aachener Vertrag begeistern können, wird vor allem von Fortschritten auf diesen Gebieten abhängen.

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