Russland Dosierte Empörung

Präsident Wladimir Putin: „Die USA begünstigen Terroristen.“
Präsident Wladimir Putin: „Die USA begünstigen Terroristen.“ © Foto: ALEXEY NIKOLSKY
Moskau / Stefan Scholl 16.04.2018

„Ein Akt der Aggression gegen einen souveränen Staat, der sich ganz vorne befindet im Kampf gegen den Terrorismus“, schimpfte der russische Präsident schon um 10.35 Uhr. „Die USA vertiefen die humanitäre Katastrophe in Syrien noch, bringen der friedlichen Bevölkerung Leiden, begünstigen im Grunde die Terroristen.“ Russland gab sich empört, aber die Empörung wirkt doch dosiert. Scheinbar hatte man insgeheim Schlimmeres gefürchtet.

 Außenamtssprecherin Maria Sacharowa sprach von einer „unverschämten Verletzung des internationalen Rechtes“. Russland beantragte eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates, dort titulierte Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja den US-Präsidenten und seine Verbündeten als „internationale Rowdys“. Aber bei allem Drohen signalisierte Moskau auch eine gewisse Friedfertigkeit. Der stellvertretende Außenminister Sergei Rjabkow erklärte, Russland bleibe an einer Zusammenarbeit mit dem Westen interessiert.

Triumphale Debatte

Gleichzeitig versuchte Russland lautstark, die Deutungshoheit nach dem Angriff an sich zu reißen. Währen die USA mitteilten, die syrische Luftabwehr habe keine einzige Rakete abgefangen, erklärte der russische Generalstab, von 103 abgefeuerten Flugkörpern seien 71 abgeschossen worden. Die russischen Staatsmedien entfachten eine triumphale Debatte über die Gründe für die „vernichtende Niederlage der USA“, wie Radio NSN jubelte. Der amerikanische Mythos über die eigene allgegenwärtige Dominanz sei jetzt endgültig zerfetzt worden, erklärte Wladimir Jermakow, Waffenkontrollexperte des Außenministeriums.

 Aber auch russischen Experten ist klar, dass eine „symmetrische Antwort“ auf den Raketenangriff böse hätte enden können. Man werde zurückschießen, wenn bei einem vielleicht noch ausstehenden US-Angriff Geschosse auf russische Militärs flögen, sagt Adschar Kurtow, Chefredakteur der Zeitschrift Problemy Nazianalnoi Strategii, unserer Zeitung. Aber auch dann würde man zuerst versuchen, die US-Raketen zu vernichten, nach Möglichkeit vermeiden, auf ihre Träger, also Schiffe und Flugzeuge zu schießen.

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