Kommentar Stefan Kegel zu Sinn und Unsinn des G20-Gipfels Der G20-Gipfel ist nicht für die Katz’

Stefan Kegel.
Stefan Kegel. © Foto: Thomas Koehler/photothek.net
Berlin / Stefan Kegel 03.12.2018

Natürlich kann man die Frage stellen, ob millionenteure Treffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer jedes Jahr nötig sind. Gerade wenn man die aufgeweichten Vereinbarungen liest, die auch diesmal wieder im Abschlussdokument stehen. Zudem kommt es bei der Lösung wichtiger Probleme gegenwärtig offenbar nicht auf die große Runde, sondern auf Zweiergespräche an. Der Bilateralismus droht dem Multilateralismus den Rang abzulaufen. Dies bewies am Wochenende die Einigung im Zollstreit zwischen USA und China.

US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping haben bei Steak und Rotwein ein 90-tägiges Stillhalteabkommen vereinbart, um China zum Kauf von mehr US-Produkten zu bewegen und damit höhere Zölle zu umgehen. Experten betonen, dass von einem Ende des Handelskriegs in starkem Maße die Entwicklung der internationalen Konjunktur abhängt. Die Weltwirtschaft findet sich also in der unbequemen Situation wieder, dass sie vom Gutdünken zweier Präsidenten beim Abendessen statt von gemeinsam ausgehandelten Regeln abhängig ist.  

Gerade in Zeiten, in denen viele Staaten politisch und wirtschaftlich über dünnes Eis schlittern, ist es daher wichtig, dass sie sich regelmäßig gemeinsamer Überzeugungen in Grundfragen versichern. Einen Konsens über die Zeit zu retten, an den man anknüpfen kann, wenn der Boden unter den Füßen wieder fester wird – das ist das Ziel, das vor allem Deutschland bei den G20-Treffen verfolgt. Eines Tages könnte der Multilateralismus, also das gemeinsame Finden von Lösungen, wieder an Bedeutung gewinnen. Denn auch Trump wird nicht ewig Präsident sein.

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