Die Corona-Krise hat auch unser Nachbarland aktuell voll getroffen: In Österreich soll ein Lockdown die stark steigenen Coronavirus-Zahlen eindämmen. Als zusätzliche Maßnahme kommt eine nächtliche Ausgangsbeschränkung - ein „Besuchsverbot“. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sagte am Samstag in Wien, dass es ab Dienstag, 3.11.2020 um 0 Uhr bis Ende November zu einem zweiten Lockdown in Österreich kommen wird. Dann gelten landesweit Ausgangsbeschränkungen zwischen 20 und 6 Uhr. In der Zeit ist das Verlassen der Wohnung nur noch aus bestimmten Gründen erlaubt.

Was ist vom Corona-Lockdown in Österreich betroffen?

Ähnlich wie biem Corona-Lockdown in Deutschland gelten die Beschränkungen in Österreich für folgende Bereiche:
  • Kultureinrichtungen
  • Freizeiteinrichtungen
  • Hotels und Gastgewerbe (Essen nur zum Mitnehmen und Liefern)
  • Veranstaltungen (ausgenommen Spitzensport ohne Publikum)
  • Freizeitsport (nur im Freien ohne Körperkontakt erlaubt)

Lockdown in Österreich gilt nicht für diese Bereiche

Vom Lockdown nicht betroffen oder nur bedingt sind folgende Bereiche in Österreich:
  • Handel und Dienstleister wie Friseure
  • Kinder bis zur zehnten Klasse sollen „vorerst“ weiter in den Kindergarten
  • Schule (mit Maskenpflicht ab 6 Jahren)
  • Oberstufe und Studierende lernen von Zuhause

Sebastian Kurz erklärt, warum der Lockdown in Österreich nötig ist

„Es ist notwendig, diesen Schritt zu setzen, um eine Überlastung der Intensivmedizin zu verhindern“, sagte Kurz. „Unser Ziel ist es, im Dezember schrittweise wieder zu öffnen und zu einem halbwegs normalen Leben zurückzukehren.“

Der Lockdown in Österreich ist nohc nicht sicher

Am Sonntagnachmittag muss noch der Hauptausschuss des Parlaments den Maßnahmen zustimmen. Die Verordnung gilt bis zum 30.11.2020, die Ausgangsbeschränkungen müssen alle zehn Tage parlamentarisch neu genehmigt werden.

Gesundheitssystem in Gefahr - Steigende Corona-Zahlen zwingen Österreich zum Lockdown

Die Infektionszahlen steigen seit Wochen steil auf fast täglich neue Höchstwerte. Die Regierung befürchtet eine baldige Überlastung der Krankenhäuser. Am Samstag zählte Österreich 5349 neue Fälle binnen 24 Stunden auf seine fast 9 Millionen Einwohner, nachdem am Freitag der Rekordwert von 5627 Neuinfektionen an einem Tag gemeldet worden war. In den vergangenen sieben Tagen gab es täglich im Schnitt 301,1 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, in den Bundesländern Vorarlberg und Tirol sogar jeweils deutlich mehr als 400.

Gastronomie in Österreich wegen Lockdown ab 20 Uhr komplett geschlossen

„Die meisten Ansteckungen finden bei Menschen statt, die sich kennen, die sich mögen“, betonte Kurz. Die nächtliche Ausgangsbeschränkung nannte er deshalb „de facto ein Besuchsverbot“. Erlaubt ist das Verlassen der privaten Wohnraums zwischen 20 und 6 Uhr nur für folgende Dinge.
  • zur Erholung im Freien
  • für Grundbedürfnisse
  • zur Betreuung
  • zur familiärer Unterstützung
  • zur Arbeit
  • bei Gefahren.
Auch öffentliche Verkehrsmittel dürfen in der Zeit nur zu diesen Zwecken genutzt werden. Der Takeaway-Betrieb der Gastronomie ist ab 20 Uhr verboten.

Kontaktbeschränkung in Österreich ohne Kontrolle der Polizei - nur zwei Haushalte

Außerdem enthält die Verordnung Kontaktbeschränkungen, laut denen sich nur noch Personen aus zwei Haushalten zu Hause treffen dürfen. Die Regelung könnte jedoch rechtlich angefochten werden, da der private Raum in Österreich von der Verfassung strikt geschützt wird. „Es wird nicht geben, dass die Polizei beginnt, in privaten Wohnräumen Nachschau zu halten“, betonte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP). Gemeint sind etwa Garagenpartys, die bei Ausbrüchen in Österreich mit Ansteckungen in Verbindung gebracht wurden.
Erste sichtbare Auswirkung der Coronaregeln auf das Infektionsgeschehen ist laut der österreichischen Regierung indes erst in sieben bis 14 Tagen zu erwarten. Der wirkliche Durchbruch werde erst stattfinden, wenn ein Impfstoff erhältlich sei, sagte Kurz. „Ich bleibe optimistisch und bleibe dabei, dass wir spätestens nächsten Sommer zur gewohnten Normalität zurückkehren können.“
Entschädigungen sollen schnell ausgezahlt werden, versprach Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP). Betroffene Unternehmen sollen bis zu 80 Prozent ihres Umsatzes aus dem Vergleichszeitraum - einem durchschnittlichen Monat des Vorjahrs - erhalten, maximal 800.000 Euro. Die Gesamtkosten schätzte Blümel auf rund 1 Milliarde Euro.