Genua Brückeneinsturz: Italien sucht Schuld bei Autobahnbetreiber

Luigi Di Maio (Mitte), stellvertretender Ministerpräsident von Italien, und Verkehrsminister Danilo Toninelli (links mit Brille), stellen sich am Unglücksort in Genua den Fragen der Journalisten.
Luigi Di Maio (Mitte), stellvertretender Ministerpräsident von Italien, und Verkehrsminister Danilo Toninelli (links mit Brille), stellen sich am Unglücksort in Genua den Fragen der Journalisten. © Foto: Alessandro Di Marco/ANSA/AP/dpa
Genua/Berlin / dpa/afp 16.08.2018
Nach dem schweren Brückeneinsturz in Genua will die italienische Regierung den Autobahnbetreiber zur Rechenschaft ziehen.

Verkehrsminister Danilo Toninelli forderte die Führung des Privatunternehmens Autostrade per l‘Italia zum Rücktritt auf. Außerdem prüfe die Regierung die Auflösung des Vertrags mit der Firma sowie Bußgeldforderungen von bis zu 150 Millionen Euro, erklärte er.

Verkehrsminister Toninelli begründete die Überlegungen der Regierung mit Vertragsbrüchen seitens des Unternehmens. Der Vize-Regierungschef und Chef der Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio, griff die Firma direkt  an: „Die Verantwortlichen haben einen Namen und einen Vornamen und es sind Autostrade per l‘Italia.“ Die Brücke sei nicht durch Schicksal eingestürzt, sondern weil die Wartung nicht erfolgt sei, sagte Di Maio.

„Die Rücknahme der Konzessionen ist das Minimum“, sagte Innenminister Matteo Salvini von der rechtsextremen Lega im italienischen Rundfunk. Er werde auch sämtliche andere Lizeninhaber fragen, wie viel sie in Sicherheit investieren. Er zeigte mit dem Finger auch auf die EU. Die Vorgaben zum Haushaltsdefizit untergraben die Sicherheit des Landes, meint er.

Die Zahl der Toten stieg auf 42. 16 Menschen sind verletzt, der Zustand von 12 Personen gilt als kritisch. Die Suche nach Opfern geht weiter.

Das Unglück hat auch in Deutschland eine Sicherheitsdebatte entfacht. Es gebe zwar viele Brücken, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), aber auch ein System, deren Zustand „genau zu analysieren.“

Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, sagte der SÜDWEST PRESSE, auch die Brücken in kommunaler Verantwortung würden regelmäßig geprüft. „Vergleiche mit dem tragischen Brückeneinsturz in Genua sind daher unangebracht und die Sorgen mancher Auto- und Lkw-Fahrer hierzulande unbegründet.“

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