Rio den Janeiro / DPA

Fast genau vor einem Jahr wurde die prominente Stadträtin Marielle Franco in Rio de Janeiro erschossen - jetzt sind zwei Verdächtige gefasst worden.

Beamte des Morddezernats verhafteten zwei ehemalige Militärpolizisten, wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte. Einer der Verdächtigen soll die tödlichen Schüsse auf Franco und ihren Fahrer angegeben haben. Der zweite Mann steuerte demnach das Tatfahrzeug. Zudem durchsuchten Beamte des Morddezernats das Haus eines Feuerwehrmanns im Westen der Millionenmetropole.

Franco war am 14. März 2018 in ihrem Auto erschossen worden. Die Politikerin der linken Partei PSOL engagierte sie sich gegen Gewalt und Korruption in den Elendsvierteln von Rio de Janeiro. Damit brachte sie offenbar die mächtigen Milizen gegen sich auf. Diese Verbrechersyndikate aus aktiven und ehemaligen Polizisten verfügen über gute Verbindungen in die Lokalpolitik und kontrollieren große Teile der Favelas von Rio de Janeiro.

„Es ist unbestritten, dass Marielle Franco wegen ihrer politischen Arbeit getötet wurde“, hieß es in der Begründung des Haftbefehls. Die Milizen sind in Drogenhandel und Schutzgelderpressung verwickelt, handeln mit Immobilien und entscheiden über den Zugang zu Strom, Wasser und Gas in den Favelas. In Rio sollen nach Einschätzung von Ermittlern etwa 25 Prozent des Stadtgebiets unter ihrer Kontrolle stehen.

Bei dem Zugriff wurden auch Handys, Computer, Waffen und Munition sichergestellt. „Das Verbrechen wurde in den drei Monaten vor der Tat minuziös geplant“, hieß es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Der mutmaßliche Schütze wohnt in einem Gebäudekomplex in Barra da Tijuca im Westen von Rio, in dem auch der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro eine Wohnung hat.

„Das ist natürlich ein wichtiger Schritt und lässt uns hoffen, dass die Ermittlungen auf dem richtigen Weg sind“, sagte Francos Lebensgefährtin Monica Benicio im Fernsehsender Globo News. „Wichtiger als die Festnahme dieser Söldner ist allerdings eine Antwort auf die Frage, wer den Mord befohlen hat.“