Zum Abschluss ihres Besuchs in Athen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag versprochen, Deutschland werde Griechenland auch in Zukunft zur Seite stehen. Sie habe bei ihren Gesprächen gespürt, „dass es einen großen Willen gibt, das Land voranzubringen“. Dabei wolle Deutschland „ein guter Partner sein“, sagte Merkel kurz vor ihrer Abreise deutschen Korrespondenten. Die Kanzlerin kündigte weitere Anstrengungen bei den bilateralen Hilfen in der Zusammenarbeit der Kommunen, im Bereich der Kultur und in der Wissenschaft an, um die Abwanderung junger Talente aus Griechenland zu stoppen. Sie wisse, dass viele Menschen in Griechenland von den Reformen ermüdet seien, sagte sie. Dennoch sei es wichtig, dass Griechenland diesen Weg weitergehe, da nur dann die Arbeitslosigkeit sinken und sich die Wirtschaft weiter entwickeln werde.

Wie zu erwarten, blieb Merkel das leidige Thema der griechischen Reparationsforderungen für die Verwüstungen der deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg nicht erspart. Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos forderte, die Reparationsfrage auf europäischer Ebene rechtlich zu klären. Es geht um Ansprüche von rund 300 Milliarden Euro, eine schwindelerregende Summe. Die Bundesregierung hält das Thema für erledigt. Merkel sagte im Gespräch mit Pavlopoulos, ihr seien die Verbrechen der Nazis in Griechenland bewusst. Deutschland übernehme dafür die historische Verantwortung. Eine Lehre daraus sei, dass Deutschland Griechenland nun beistehe.

Blick nach vorne nach der Krise

Lob bekam die Kanzlerin vom Präsidenten für ihre Flüchtlingspolitik. Merkel habe in der Flüchtlingskrise ihr Profil als europäische Führungspersönlichkeit geschärft und den Zusammenhalt Europas gestärkt. Merkel erklärte, sie wisse um die schwierigen Bedingungen in den überfüllten Auffanglagern auf den griechischen Inseln. Die Flüchtlingsfrage gehe alle in Europa an: „Wir können Griechenland hier nicht alleine lassen.“

Merkel wollte mit ihrem Besuch ein neues Kapitel in den deutsch-griechischen Beziehungen aufschlagen. Auch Premierminister Alexis Tsipras will nach vorn blicken. Beide betonten übereinstimmend, im Verhältnis der zwei Länder habe sich „ein Zyklus geschlossen“ – eine Anspielung auf die Spannungen der Krisenjahre. Auch das Verhältnis der beiden Politiker war früher problematisch. Als Oppositionsführer attackierte Tsipras die Kanzlerin in der Schuldenkrise scharf, verunglimpfte sie auch persönlich. Als Regierungschef vollzog Tsipras dann eine Wende. Konfrontiert mit einem drohenden Staatsbankrott, setzte er die Spar- und Reformauflagen der Geldgeber um. Auch mit Merkel hat Tsipras inzwischen eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung aufgebaut.