Bei dem Mordanschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland hat der mutmaßlich rechtsextremistische Täter auch mehrere Kinder getötet. Dies teilte Premierministerin Jacinda Ardern am Samstag bei einem Besuch in der Stadt Christchurch mit.

Dort kam sie auch mit Vertretern der muslimischen Gemeinschaft zusammen. Vermutet wird, dass es sich bei allen 49 Todesopfern um Muslime handelt. Darunter sind auch Flüchtlinge, die erst vor kurzem aus Ländern wie Syrien nach Neuseeland gekommen waren.

Waffengesetze sollen verschärft werden

Der mutmaßliche Attentäter sitzt nun in einem Untersuchungsgefängnis. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Nach aktuellem Stand der Ermittlungen scheint er die Schüsse in den Moscheen alleine abgefeuert zu haben.

Als Reaktion auf den brutalsten Anschlag in der jüngeren Landesgeschichte will Neuseelands Regierung jetzt die Waffengesetze verschärfen. „Unsere Waffengesetze werden sich ändern“, kündigte Ardern noch vor der Abreise nach Christchurch an. Sie sprach auch abermals von einem „terroristischen Akt“. Der Verdächtige, der seit mehreren Jahren in Neuseeland lebt, hatte einen Waffenschein. Er war auch Mitglied in einem Schützenverein. Der Schütze hatte demnach seit November 2017 einen Waffenschein und die bei ihm gefundenen Schusswaffen teils legal erwerben können.

In dem Pazifikstaat darf man bislang nach einer Überprüfung durch die Behörden schon mit 16 Jahren Waffen besitzen. Dazu benötigt man einen Waffenschein, muss die Waffen aber nicht alle einzeln anmelden.

Kleine muslimische Gemeinschaft in Neuseeland

Einen Tag nach der Tat machte sich Regierungschefin Ardern in Christchurch ein Bild von der Lage. Insgesamt 39 Menschen liegen noch mit Schusswunden in verschiedenen Krankenhäusern der neuseeländischen Großstadt. Elf davon befinden sich in Intensivbehandlung. Ardern besuchte auch ein Flüchtlingsheim mit Muslimen und richtete von dort eine Botschaft an das ganze Land: „Neuseeland ist in Trauer vereint.“ Vermutet wird, dass alle Todesopfer muslimischen Glaubens sind.

Christchurch steht immer noch unter Schock. In der Nähe der Tatorte legten viele Menschen Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Mit etwa 50.000 Gläubigen - darunter viele Einwanderer aus Staaten wie Pakistan und Bangladesch - sind Muslime in Neuseeland eine Minderheit.

Täter filmte seine Tat

Nach bisherigem Ermittlungsstand drang der Täter zunächst in die Al-Nur-Moschee ein, in der sich mehr als 300 Menschen zum Freitagsgebet versammelt hatten. Dort schoss er mit mindestens zwei Schnellfeuerwaffen um sich und tötete 41 Menschen. Ardern zufolge hatte er die Waffen manipuliert, um die Schusskraft zu erhöhen. Anschließend fuhr er zu einer zweiten Moschee und brachte acht weitere Menschen um. Mit einer Helmkamera filmte er die Tat und übertrug sie live ins Internet. Das Video davon ist 17 Minuten lang.

Sprengsätze sichergestellt

Der Premierministerin zufolge wollte der Schütze dann auch noch anderswo morden. „Er hatte absolut die Absicht, seine Attacke fortzuführen“, sagte Ardern. Nachdem er die zweite Moschee verlassen hatte, sei er dann aber in seinem Auto von der Polizei gestoppt worden. Dort wurden auch zwei weitere Feuerwaffen und Sprengstoff sichergestellt. Nach Angaben der Polizei vergingen vom ersten Alarm bis zur Festnahme 36 Minuten. Unklar blieb, ob zwei andere Verdächtige, die ebenfalls schon am Freitag festgenommen wurden, mit dem Australier in Kontakt standen.

Zu dem Gerichtstermin wurde der Täter in Handschellen und weißer Häftlingskleidung vorgeführt. Dabei zeigte er das „Okay“-Zeichen in die Kameras, wie es in der englischsprachigen Welt verbreitet ist: Daumen und Zeigefinger zusammengehalten, die anderen Finger abgespreizt. Inhaltlich äußerte er sich neuseeländischen Medienberichten zufolge nicht. Am 5. April soll es den nächsten Gerichtstermin geben.

Die Zeitung „The Australian“ (Samstag) berichtete, dass der Täter schon früher merkwürdige Kommentare von sich gegeben haben habe. In einem Online-Eintrag von 2011 habe der Mann über sich geschrieben: „Ich bin ein Monster der Willenskraft. Ich brauche nur ein Ziel.“ Im Internet kursiert auch ein 74-seitiges „Manifest“ mit rechtsextremen Parolen, das von ihm stammen soll. Die Ermittler bestätigten bislang allerdings nicht, dass er tatsächlich der Urheber des Schreibens ist.

Balkanreisen des Mannes legen ideologische Verbindungen nach Europa nahe. Das Video zeigt auf Waffen des Täters geschriebene Namen von Schlachten in Europa gegen die Araber oder die Osmanen, darunter mehrere auf dem Balkan. Nach Angaben der bulgarischen Justiz war der Mann 2016 und 2018 unter anderen in Serbien, Bosnien-Herzegowina und Bulgarien gewesen.

Weltweite Bestürzung nach Attentat

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte in einem Tweet von Regierungssprecher Steffen Seibert ihre Bestürzung:

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron twitterte: „Frankreich stellt sich gegen alle Formen des Extremismus und geht mit seinen Partnern gegen den Terrorismus in der Welt vor.“

Auch der amerikanische Präsident Donald Trump bekundete sein Beileid auf Twitter:

Das Außenministerium des muslimischen Landes Saudi-Arabien verkündete: „Terror hat keine Religion und keine Heimat.“

Selbst die radikalislamische Organisation Taliban gab in Afghanistan eine Stellungnahme zu dem Anschlag ab: „Mit großer Trauer haben wir erfahren, dass es einen Anschlag auf Gläubige beim Freitagsgebet in zwei Moscheen in Christchurch, Neuseeland, gegeben hat, der zum Märtyrertod von 49 Muslimen und der Verletzung vieler anderer geführt hat.“

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