Porträt Abramowitsch: Milliardär und Fußballfan

Der Milliardär Roman Abramowitsch feiert einen Heimsieg von Chelsea.
Der Milliardär Roman Abramowitsch feiert einen Heimsieg von Chelsea. © Foto: epa/Facundo Arrizabalaga/dpa
Moskau / Stefan Scholl 10.11.2018

Er meidet die Medien, aber es gibt Momente, da öffnet Roman Abramowitsch (51) seine Seele sperrangelweit: Etwa im Mai 2017, als sich der langjährige Chelsea-Kapitän John Terry vor dem jubelnden Stadion an der Londoner Stamford Bridge verabschiedete, per Mikrofon auch dem „besten Eigentümer im Weltfußball“, dankte. Abramowitsch stand strahlend in seiner Vip-Loge, und faltete seinerseits die Hände zu einer demutsvollen Dankesgeste.

Abramowitsch hatte den finanziell angeschlagenen Chelsea FC im Juni 2003 für 140 Millionen Pfund gekauft und gleich 120 Millionen Pfund für Spielerkäufe nachgeschoben. Prompt schaffte es Chelsea 2004 bis ins Champions League-Halbfinale. Seit Abramowitschs Einstieg holte die Mannschaft fünf nationale Meisterschaften und einen Champions League-Pokal, insgesamt 17 Titel. Dafür gab er bis dahin unerhörte Summen für Spitzenspieler aus.

Auf die sportlichen Titel war  halb London stolz – und halb Moskau. Die Londoner Fans skandierten „Kalinka, Kalinka“, in sibirischen Provinzstädten eröffneten reihenweise Pubs mit dem Namen „Chelsea“. Und in seiner Loge an der Stamford Bridge tauchte Lord Rothschild auf oder Bernie Ecclestone.

Doch nach dem Giftanschlag auf Sergej Skripal, für den London russische Geheimdienstler verantwortlich macht, bekam auch Abramowitsch Probleme. Die Briten verlängerten sein Visum nicht. Das Parlament verfasste neue Sanktionslisten, auf denen auch Abramowitsch stehen soll. Seit Mai hat der Milliardär einen israelischen Pass, mit dem er jährlich sechs Monate ohne Visa in England leben kann. Aber laut der Agentur Bloomberg hat er sich dort seit Monaten nicht mehr blicken lassen. Und Chelsea stoppte den Ausbau des Stadions.

Der Abschied von seinem Liebling würde Abramowitsch wohl schmerzen. Er wüsste vermutlich nicht, was er mit der Verkaufssumme anfangen soll. Als Unternehmer mit viel freiem Geld droht ihm, dass der Kreml ihn für staatliche Großprojekte zur Kasse bittet. Auch der Fußballfan Abramowitsch werde in der Heimat kaum glücklich, vermutet ein Szenekenner: „Mangels Konkurrenz ist es sinnlos, hier hunderte Millionen Dollar in einen Klub zu stecken.“

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