Viele Entscheidungen trifft Donald Trump aus dem Bauch heraus, sagt  Sascha Lohmann, USA-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Herr Lohmann, die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten ist jetzt fast zwei Jahre her. Hat er die USA so gründlich umgekrempelt, wie es von hier aus erscheint?

Sascha Lohmann: Zumindest hat er die Gräben in den USA vertieft, die auch vorher schon da waren. Er hat das Land nicht geeint, wie er in seiner Vereidigungsrede versprochen hat.

Sind die USA heute konservativer?

Das Land ist nicht konservativer oder liberaler geworden. Die Parteien haben sich stärker polarisiert. Republikaner und Demokraten sortieren sich zunehmend in Konservative und Liberale.

Beweist Trump, dass man mit Brutalität am weitesten kommt und nicht mit Diplomatie?

Das bleibt abzuwarten. Es hängt stark davon ab, ob ihm seine Republikaner irgendwann die Gefolgschaft verweigern. Bisher war das nicht der Fall. Er hat sich in vielen Bereichen weit hinausgewagt. Er hat Normen des Umgangs, aber auch der Rechtsstaatlichkeit sehr gedehnt. Aber zumindest bis zu den Zwischenwahlen im November ist er noch geschützt. Bisher hat er mit seinem Stil nicht gewonnen, aber er hat ihn auch bei seinen Anhängern nicht unbeliebt gemacht.

Wie gefährlich ist Trump für die Sicherheit der Welt?

Nach allem, was man hört, sind die Entscheidungsprozesse im Weißen Haus nicht mehr so strukturiert und durchdacht wie zuvor bei der Obama-Regierung. Offenbar trifft der Präsident viele Entscheidungen aus dem Bauch heraus, und er hat sich mit Beratern umgeben, die ihm nach dem Mund reden. Wir haben einen sehr wechselhaften und erratischen Politikstil. Aber wir wissen noch nicht, wie das in einer wirklichen internationalen Krise aussieht, in der Trump unter Zeitdruck Entscheidungen treffen muss, die sehr folgenreich sind.

Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil: Trauen sich die Europäer nicht, härter mit ihm zu verhandeln?

Die ökonomische, politische und militärische Überlegenheit der USA ist gerade gegenüber ihren Alliierten immer noch so groß, dass sie kaum glaubwürdig Gegenmacht aufbauen können. Die US-Regierung ist auch nicht bereit, auf sie einzugehen. Das zeigt sich bei den Bemühungen, das Atom-Abkommen mit dem Iran zu retten. Mit einer harten Verhandlungsposition scheint man genauso wenig zu erreichen wie mit einer weichen.