Ruth Bader Ginsburg ist zäh. Die 87-jährige Verfassungsrichterin am Obersten Gerichtshof der USA hat vier Krebserkrankungen besiegt. Jetzt liegt sie wegen des Verdachts auf eine Infektion im John Hopkins Krankenhaus in Baltimore (Maryland), wie der Supreme Court mitteilt.
Die Ärzte hätten eine Endoskopie durchgeführt, um einen im vergangenen Jahr gelegten künstlichen Gallengang zu reinigen. Ginsburg bekomme nun intravenös Antibiotika und werde „einige Tage“ im Krankenhaus bleiben, hieß es weiter.

Ruth Bader Ginsburg: liberale Ikone und Kämpferin für Frauenrechte

Ginsburg ist am höchsten US-Gericht eine entscheidende Figur. Mit ihren 87-Jahren ist sie die älteste Richterin. Sie gilt als liberale Ikone, prinzipientreu, sehr klug – und als Kämpferin für Frauenrechte.
Die neun Richter am Supreme Court, darunter neben Ginsburg noch zwei Richterinnen – Sonia Sotomayor und Elena Kagan, beide von Präsident Obama ernannt – werden vom Präsidenten auf Lebenszeit ernannt, müssen vom Senat bestätigt werden.

Trump würde Supreme Court schnell besetzen, wenn „RBG“ sterben sollte

Wenn Ginsburg, die auch unter ihren Initialen „RBG“ bekannt ist, bis zur möglichen Amtseinführung von Joe Biden sterben sollte, werden Präsident Donald Trump und der von den Republikanern kontrollierte Senat alles daran setzen, die Stelle kurzfristig neu zu besetzen. Der Grund: Trump liegt in den Umfragen mit zweistelligen Prozentpunkten hinter seinem Herausforderer Biden. Auch der Senat könnte von den Demokraten erobert werden.
Als gesichert gilt, dass Ginsburg nur im Extremfall von sich aus zurücktreten würde, solange Trump über ihre Nachfolge bestimmen darf. Sie gilt als scharfe Kritikerin des Präsidenten. Verfassungsrichter äußern sich selten in der Öffentlichkeit. Ginsburg macht davon von Zeit zu Zeit eine Ausnahme, wenn ihr ein Thema wichtig ist.

Ginsburg: Neun Richterinnen am Supreme Court

Ginsburg wurde 1993 von Bill Clinton ernannt und mit 96 zu 3 Stimmen im Senat bestätigt – damals war die politische Polarisierung, die heutzutage auch die Justiz umfasst, noch nicht so extrem. Sie war die zweite Frau am US-Verfassungsgericht und die erste, die von einem demokratischen Präsidenten ernannt wurde.
Wenn es um Frauenrechte ging, kannte „RBG“ keine Kompromisse. Und sie kann durchaus zuspitzen. So sagte sie auf die Frage, wann es genug Richterinnen am Supreme Court gebe: „Wenn es neun gibt.“ Sie begründete das damit, dass es den größten Teil der amerikanischen Geschichte rein männliche Supreme Courts gab und das niemand gestört habe.

Zwei Kinofilme über RBG’s Leben und Kampf

In den vergangenen Jahren wurde ihr Leben gleich zweimal im Kino behandelt:
  • Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit
  • RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit
Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit (Original: On the Basis of Sex) ist ein Spielfilm, der 2019 veröffentlicht wurde und Ginsburgs Kampf gegen Geschlechterdiskriminierung in jungen Jahren zeigt. RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit (Original RBG) ist ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2018.