Der Heidelberger Altersforscher Andreas Kruse fordert die Politik auf, für den Schutz von alten Menschen und Pflegebedürftigen vor einer Covid-19-Erkrankung finanzielle Mittel bereitzustellen. Pflegeheime stünden vor einer großen Herausforderung, sagte der Gerontologe der „Südwest Presse“. Die engen Kontakte, die Bewohner mit Besuchern gepflegt hätten, müssten nun durch Mitarbeiter kompensiert werden. Heime sollten deshalb die Möglichkeit haben, „ehemalige Pflegefachkräfte, Sozialarbeiter, Seelsorger, Ärzte und Psychologen zu gewinnen - auch gegen Bezahlung“. „Allein mit bürgerschaftlichem Engagement ist dies nicht zu leisten“, mahnte Kruse. Finanziert werden sollte die personelle Entlastung „sowohl aus Mitteln der Kranken- und Pflegeversicherung als auch aus Steuermitteln“.

Schutz alter Menschen vor Infektion mit Coronavirus ist „oberstes Gebot“

Kruse gehört zu Deutschlands führenden Altersforschern. Er leitet das Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg. Seit 1989 ist er Mitglied der Altenberichtskommissionen der Bundesregierung, seit 2016 gehört er dem Deutschen Ethikrat an. Der Wissenschaftler betonte, der Schutz vor einer Infektion sei „oberstes Gebot“ im Umgang mit alten Menschen. Denn alle Daten deuteten darauf hin, dass bei ihnen die Sterblichkeit „mit Abstand am höchsten ist“. Er forderte deshalb, bei Pflegekräften und anderen Helfern regelmäßige Abstriche auf das Coronavirus vorzunehmen und diese zudem verpflichtend mit Mundschutz auszustatten. Pfelger sollten zudem auf Schutzkleidung zurückgreifen können. „Das muss ohne zeitlichen Verzug umgesetzt werden“, sagte Kruse.

Scharfe Kritik äußerte Kruse an der Bezahlung von Pflegekräften in Deutschland. „Das bestehende Lohnniveau für Pflegefachberufe spricht der Verantwortung Hohn, die diese übernehmen. Darüber wird bald ausführlich und tiefgreifend zu sprechen sein“, sagte der Altersforscher.