Über die Motive des Kreml sollte sich niemand Illusionen machen: Alles spricht dafür, dass die Verknappung der Gaslieferungen nach Europa politisch motiviert ist. Man muss zudem damit rechnen, dass Moskau die Exporte bald komplett einstellt. „Ich denke, das wäre eine Katastrophe für Deutschland“, ist es dem russischen EU-Botschafter bereits über die Lippen gegangen, als er sich über einen Komplettausfall der Nord-Stream-Pipeline ausließ. Der Ruf Russlands als zuverlässiger Rohstofflieferant ist ohnehin ruiniert, wieso also sollte Wladimir Putin abwarten, dass Europa sich nach und nach unabhängig macht vom russischen Gas?
Mehr Freude dürfte es ihm bereiten zuzusehen, wie Deutschland ohne seine begehrte Ware in eine Wirtschaftskrise schlittert und die Zustimmung der Bevölkerung zu den Sanktionen gegen sein Land bröckelt. Denn dass die LNG-Terminals schnell genug fertig werden, ist unsicher. Und es ist eine Illusion anzunehmen, dass Windräder und Solaranlagen das russische Gas in den kommenden Jahren auch nur annähernd ersetzen werden. Man möchte bei dem schönen Wetter gerade eigentlich nicht daran denken. Aber der Winter dürfte ungemütlich werden.