Berlin / Stefan Kegel

Nach 17 Jahren des Auslandseinsatzes sind die Afghanistan-Veteranen der Bundeswehr in ihrer Meinung geteilt, ob ihr Einsatz im Land am Hindukusch sinnvoll war oder nicht. 52 Prozent der Soldaten finden, dass sie einen Beitrag dafür geleistet haben, den Menschen vor Ort zu helfen, wie eine Studie des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr zeigt. Fast ebenso viele stimmen hingegen zumindest teilweise dem Gegenteil zu: Sie halten die Mission für nutzlos, weil sie an der Lage nichts geändert hat. Gleichwohl sind nur 17 Prozent der Meinung, dass die Bundeswehr umgehend aus Afghanistan abziehen sollte.

Der Untersuchung „Leben nach Afghanistan“ zufolge leidet ein Teil der Soldaten auch lange Zeit nach dem Auslandseinsatz immer noch unter den Folgen. Jeder Fünfte musste sich nach der Rückkehr in ärztliche Behandlung begeben – entweder wegen einer Verletzung oder wegen seelischer Probleme, etwa einer posttraumatischen Belastungsstörung, Ängsten oder einer beginnenden Alkoholabhängigkeit. Nach drei Jahren war mehr als die Hälfte dieser Betroffenen noch in Behandlung.

Ein besonderes Risiko für langfristige Schäden haben vor allem jene Soldaten, die in Außenposten eingesetzt waren. Sie waren deutlich häufiger mit Gefechten und anderen Gewalterfahrungen konfrontiert. Jeder Vierte fühlt sich deswegen auch nach Jahren in seinem Alltagsleben eingeschränkt. Dies seien „drastische Zahlen, die deutlich machen, dass sich Kampfeinsätze auch noch lange nach dem Einsatz tief in das Leben von Soldaten und Veteranen eingraben können“, schreiben die Studienautoren Anja Seiffert und Julius Heß.

In den Alltag zurückfinden

Auch das Privatleben hat bei einem beträchtlichen Teil der Soldaten unter der Entsendung nach Afghanistan gelitten. Jede vierte Beziehung überstand den Auslandseinsatz nicht oder scheiterte in den drei Jahren danach. In den Alltag zurückzufinden und das Erlebte aufzuarbeiten fällt vielen Soldaten schwer: Knapp jeder Zweite hat auch drei Jahre nach der Rückkehr noch nicht mit dem Partner oder der Partnerin über das Erlebte gesprochen. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer sein würde, wieder hier in den Alltag rein zu kommen. Das ist einfach ’ne andere Welt“, erklärt ein Betroffener.

Untersucht wurden rund 1100 Soldatinnen und Soldaten, die im Jahr 2010 in Afghanistan waren. Ihre Entwicklung wurde über mehrere Jahre hinweg durch regelmäßige Befragungen begleitet. Die Studie „Leben nach Afghanistan“ wurde bereits 2017 erstellt, aber erst jetzt veröffentlicht.