Ausstellung Perltaschen: Unverzichtbare Accessoires von einst

Göppingen / Margit Haas 01.06.2018
Mode aus Göppingen: Perlhandtaschen waren in den zwanziger Jahren ein Exportschlager. Der „Storchen“ zeigt ausgesuchte Exemplare.

Accessoires sind ein Muss für jede modebewusste Frau – für Männer natürlich auch. Sie sollen zur Kleidung passen, deren Wirkung unterstreichen. Manchmal freilich kann ein Schmuckstück, ein Hut, eine Tasche alle Blicke auf sich ziehen. Perlhandtaschen gehörten sicher zur letzteren Kategorie. Sie waren „ein unverzichtbares Accessoire für die stilbewusste Frau“, weiß Stadtarchivar Dr. Karl-Heinz Rueß. Er hat gemeinsam mit Sammlern aus Amerika im Göppinger Museum im „Storchen“ eine wirklich ungewöhnliche Schau dieser speziellen Täschchen konzipiert. Sie zeigt besonders schöne Exemplare dieser erstaunlichen handwerklichen Arbeit, die von Frauen größtenteils in Heimarbeit gemacht wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte sich Göppingen zum Zentrum der Perlhandtaschenproduktion entwickelt. „Das Adressbuch von 1924 nennt mehr als 40 Hersteller“, so Dr. Rueß. Große Vitrinen, nach Werkstätten geordnet, zeigen, dass durchaus unterschiedlich gestaltet wurde. Ausgestellt sind auch Werbeplakate. Und da ist dann zu lesen, dass Otto Hickl sich Telegramme an die Adresse „Pompadour Göppingen“ schicken ließ. Zu sehen sind auch Taschen von Karl Seyfang, der nach dem Krieg die Gralglas-Hütte gegründet hatte. Der gelernte Schreiner hatte seine Geschäftsräume im ehemaligen „Thorhaus“ in der Marktstraße.

Mode international gefragt

Die Taschen gingen hauptsächlich nach Übersee, in die USA. Dort gibt es bis heute umfangreiche Sammlungen. Aber auch innerhalb Europas „waren sie ein beliebter Souvenirartikel“.

Taschen und Beutel zeigen ganz unterschiedliche Motive. Landschaften und berühmte Bauwerke wie die Rialtobrücke wurden ebenso gestrickt wie Jugendstil- oder grafische Muster und Blumenmotive. „Führende Hersteller gingen noch einen Schritt weiter“, erklärt die Expertin Sabine B. Schürenberg. Sie übernahmen Werke berühmter Künstler, „allen voran Meisterwerke der französischen Genremalerei mit ländlichen Themen, tanzenden Paaren oder Schäferszenen“.

Die Ausstellung zeigt nicht nur Taschen und Beutel mit diesen wirklich bezaubernden Motiven. Sie gibt auch Einblicke in die Herstellung der Handtaschen. Die war aufwändig und wurde fast ausschließlich von Frauen übernommen. Ein Film zeigt, mit welcher Konzentration und Präzision gearbeitet werden musste. Zunächst mussten nach einem Zählmuster tausende von Perlen entsprechen der Farbvorgaben aufgefädelt werden. Fehler durften dabei nicht passieren. Die offenbarte nämlich später das Muster beim Abstricken der Perlen.

Begleitprogramm zur Ausstellung

Zur Ausstellung gibt es einen Katalog und ein umfangreiches und interessantes Begleitprogramm:

5. Juni, 19.30 Uhr: „Mode aus Göppingen“ (Vortrag von Sabina Schürenberg)

19. Juni, 15 Uhr: „Kinderführung ohne
Erwachsene

24. Juni, 13 Uhr: Sammlergespräch

Weitere Veranstaltung online.

Veröffentlichung Die deutsch-/englischsprachige Publikation „Mode aus Göppingen: Perltaschen – ein Exportschlager in den 1920er Jahren“ erklärt das
Thema.

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