Missbrauch Zweiter Prozess: Jungen massiv misshandelt

Der wegen Kindesmissbrauchs Angeklagte Knut S. sitzt mit einem Aktenordner vor dem Gesicht im Saal des Landgerichts neben seinem Anwalt.
Der wegen Kindesmissbrauchs Angeklagte Knut S. sitzt mit einem Aktenordner vor dem Gesicht im Saal des Landgerichts neben seinem Anwalt. © Foto: Patrick Seeger
Freiburg / Petra Wahlheim 07.05.2018
Im Missbrauchsfall um einen Jungen aus dem Raum Freiburg hat ein zweiter Prozess gegen einen 50-Jährigen begonnen.

Korrekter Haarschnitt, Brille auf der Nase, langer graumelierter Rauschebart, graues Jacket, blaue Jeans. Knut S. ist eine gepflegte Erscheinung. Mit einem Aktenordner vor dem Gesicht betritt er den Saal im Landgericht in Freiburg. Dort hat am Montag der Prozess gegen ihn begonnen, es ist der zweite im Missbrauchsfall von Staufen. Dem 50-jährigen Stabsfeldwebel einer deutsch-französischen Brigade im Elsass wird unter anderem vorgeworfen, Anfang 2017 und im Mai 2017 den damals neunjährigen Luca (Name geändert) vergewaltigt, sexuell missbraucht und misshandelt zu haben.

In dem Missbrauchsfall, der in Deutschland als beispiellos gilt, sind bisher sieben Männer angeklagt - und die Mutter des Jungen. Sie und ihr Lebensgefährte sollen Luca über mehrere Jahre im Darknet gegen Geld für Vergewaltigungen und sexuellen Missbrauch angeboten haben. Ihr Prozess beginnt am 11. Juni.

Knut S. verfolgt das Verlesen der Anklageschrift mit gesenktem Kopf und roten Ohren. Sein Anwalt hatte zuvor beantragt, die Öffentlichkeit für die gesamte Hauptverhandlung auszuschließen. Das hat das Gericht abgelehnt und entschieden, dass die Öffentlichkeit nur ausgeschlossen wird, wenn der Angeklagte Angaben zu seiner Person und zur Sache macht, der psychiatrische Gutachter seine Ausführungen macht, die Plädoyers gehalten werden und Knut S. das letzte Wort hat.

Der Soldat, der verheiratet ist und dessen Neigung in der Bundeswehr bekannt war, soll Christian L., den Lebensgefährten der Mutter des Jungen, im Darknet kennengelernt haben. Christian L. soll ihm Luca für Vergewaltigungen und sexuellen Missbrauch angeboten haben. Knut S. war interessiert. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist es zu zwei Treffen gekommen.

Massiv an dem Jungen vergangen

Das erste soll Ende Januar/Anfang Februar 2017 in der Nähe von Staufen im Markgräflerland stattgefunden haben. Luca soll unter Androhung von Gewalt gefügig gemacht worden sein. Sowohl Knut S. als auch Christian L. sollen sich an dem Jungen massiv vergangen haben, obwohl der sich gewehrt und massiv geekelt habe. Auch Fesselungen sollen dazu gehört haben. Beim ersten Treffen soll Knut S. an Christian L. 100 Euro bezahlt haben, Luca soll 50 Euro bekommen haben.

Beim zweiten Treffen im Mai 2017 ebenfalls außerhalb von Staufen soll auch die Mutter mit dabei und beteiligt gewesen sein. Die Vergewaltigungen und der sexuelle Missbrauch sind bei beiden Treffen gefilmt worden. Die Filme wurden über das Darknet verbreitet.

Dass der Soldat Knut S. pädophile Neigungen hat, war in der Bundeswehr bekannt. Er ist deswegen degradiert und versetzt, nicht aber entlassen worden. Ein Major, der ihn gedeckt haben soll, wurde deswegen zur Rechenschaft gezogen. Knut S. ist am 18. Oktober 2017 in Frankreich festgenommen und inhaftiert worden. Am 9. November wurde er nach Deutschland ausgeliefert.

Anonymer Hinweis

Der Handel mit dem Jungen ist durch einen anonymen Hinweis an die Polizei aufgeflogen. Der Hinweisgeber hatte ebenfalls Kontakt zu Christian L. und den Jungen angeboten bekommen. Dann jedoch Skrupel bekommen und der Polizei den Tipp gegeben. Christian L. tritt inzwischen als Kronzeuge auf.

Im ersten Prozess in dem Missbrauchsfall wurde ein 42-jähriger Mann aus dem Ortenaukreis, der sich ebenfalls zwei Mal mit dem Jungen getroffen, ihn vergewaltigt und massiv misshandelt hat, zu zehn Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

Luca wurde im September 2017 aus der Familie genommen und lebt nun in einer Pflegefamilie. Er tritt in dem Prozess als Nebenkläger auf.