Baruth.  Zwei Löwen brechen aus – Betäubungsschuss entschärft die Situation

Löwenmännchen „Massai“ konnte mit seiner Partnerin „Gretchen“ gestern im  Wildpark „Johannismühle“ ein bisschen Freiheit schnuppern.
Löwenmännchen „Massai“ konnte mit seiner Partnerin „Gretchen“ gestern im  Wildpark „Johannismühle“ ein bisschen Freiheit schnuppern. © Foto: dpa
Baruth.  / GEORG-STEFAN RUSSEW, CHRISTOF BOCK, BEIDE DPA 07.07.2016
Löwenjagd in der Mark Brandenburg: Zwei Raubtiere brechen aus ihrem Gehege aus. Der Park wird geräumt. Polizisten und Feuerwehrleute rücken aus.

Häufig redet man in Brandenburg über frei laufende Raubtiere. Doch damit waren bisher immer die Wölfe gemeint, die aus Richtung Osten eingewandert sind. Jetzt sind in Baruth – eine Autostunde südlich von Berlin – zwei Löwen ausgebüxt. Nach ersten Erkenntnissen gelangten sie durch eine Tür und erkundeten einen äußeren Bereich, der aber ebenfalls eingezäunt ist. Der Park spricht von „menschlichem Versagen“.

Der Trip von „Massai“ und „Gretchen“ dauerte nicht lange: Nach zwei Stunden streckte eine Tierärztin „Gretchen“ mit dem Betäubungsgewehr nieder. „Massai“ trollte sich auf gutes Zureden und lief in sein Zuhause. „Zu keinem Zeitpunkt waren Besucher in Gefahr, weil wir um das Gehege noch einen Sicherheitszaun haben“, betonte Park-Geschäftsführer Julian Dorsch. „In dieser Zone haben sich beide Tiere aufgehalten. Wir haben trotzdem den Park aus Sicherheitsgründen sofort geräumt.“

Es sei schon ein Schock gewesen, sagte Dorsch über die ersten Empfindungen. „Wir hatten aber nicht lange Zeit, um nachzudenken. Wir haben nach unserem Evakuierungsplan gehandelt.“ Rund 100 Besucher waren am Mittwochmittag im Wildpark unterwegs. Nach Polizeiangaben war das Gelände innerhalb etwa einer Viertelstunde geräumt. „Gretchen“ lief dann schon vor ihrem angestammten Bereich auf und ab. „Es schien so, als wolle sie in ihr Gehege zurück“, sagte ein Polizeisprecher.

Auch Wildpark-Geschäftsführer Dorsch glaubt, dass es den Tieren außerhalb der eigenen „vier Wände“ nicht gefallen hat: Die Löwen seien mit ihrer Situation „auch etwas überfordert“ gewesen, sagte Dorsch. „Die haben zu keinem Zeitpunkt Aggressionen gezeigt. Sie wollten eigentlich nur zurück nach Hause.“

Die Polizei hatte bis zu zehn Funkstreifenwagen im Einsatz, wie Sprecher Axel Schugardt berichtete. Eine Tierärztin erlegte „Gretchen“ schließlich am Mittag mit dem Betäubungsgewehr. „Wenige Minuten später war das Tier eingeschlafen, so dass Feuerwehrleute die Löwin auf einem Sicherheitsnetz zurück in ihren Käfig tragen konnten. Kurze Zeit darauf ließ sich der Löwe durch Mitarbeiter des Wildparks dazu bewegen, freiwillig in sein Gehege zurückzukehren.“

 Es ist in Brandenburg nicht das erste Mal, das Löwen ausgebrochen sind. Im März 2011 griff eine Löwin namens „Nala“ während einer Zirkus-Vorstellung in Neuruppin den Dompteur an und flüchtete. Die Polizei erschoss das Tier. Im September 2009 büxte ein Zirkuslöwe in Eberswalde aus und erschreckte Passanten, der Ausbrecher wurde wieder eingefangen. Gleich zwei ausgebrochene Zirkuslöwen wurden 1991 in der Nähe von Leipzig erschossen. Im Jahr 1988 gab es sogar ein tödliches Drama: Damals wurde ein Arbeiter in einem Privatzoo in Delbrück (Nordrhein-Westfalen) von einem ausgebrochenen Löwen getötet.

Wildpark „Johannismühle“

Zahlen Im brandenburgischen „Wildpark Johannismühle“ leben rund 500 Tiere, darunter Wölfe, Löwen, Braunbären sowie Auerochsen und Wildpferde. Jährlich kommen bis zu 70 000 Besucher in das rund 100 Hektar große Areal. Schulklassen halten hier auch Unterricht und Projekttage ab. dpa

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