Ernährung So viel Zucker versteckt sich in unseren Getränken

In Großbritannien gibt es eine Zuckersteuer - vielleicht auch bald in Deutschland?
In Großbritannien gibt es eine Zuckersteuer - vielleicht auch bald in Deutschland? © Foto: dpa
Ulm / Susanne Klöpfer 05.04.2018
Ab April tritt die Zuckersteuer für Erfrischungsgetränke-Hersteller in Großbritannien in Kraft. Die Debatte dazu in Deutschland ist strittig.

Ab Anfang April gilt in Großbritannien die Zuckersteuer auf Softdrinks für Unternehmen, die zuckerhaltigen Getränke herstellen und importieren. Besteuert werden Produkte, denen Zucker zugesetzt wird. Dabei gibt es zwei Abstufungen: fünf Gramm und mehr als acht Zucker pro 100 Milliliter, jeweils 18 und 24 britische Pence. Ausgenommen davon sind Fruchtsäfte und milchbasierte Getränke.

Zuckersteuer vor zwei Jahren angesetzt

Im März 2016 wurde diese Zuckersteuer vom Finanzminister George Osborne angekündigt. Das Ziel der britischen Regierung ist Übergewicht und Diabetes der Bevölkerung zu verringern und eine gesündere Lebensweise zu fördern. Denn Limonaden sollen nach Angaben der britischen Regierung die größte Zuckerquelle für Kinder darstellen.

Fanta und Sprite senken Zuckergehalt

Laut Recherche der Verbraucherorganisation „foodwatch“ senkte Coca-Cola den Zuckergehalt in ihren zuckrigen Getränken, wie Fanta (6,9 Gramm auf 4,6 Gramm pro 100 Milliliter) und Sprite (6,6 Gramm auf 3,3 Gramm pro 100 Milliliter). Neue Verwendung fand dafür Süßstoff. Auch Hersteller, wie Lucozade Ribena Suntory, die Lucozade und Orangina produzieren, senkten den Zuckergehalt der Produkte auf unter fünf Gramm.

Zuckersteuer auch in Deutschland?

Aktuell ist eine Zuckersteuer bei der neuen Regierung kein konkretes Thema. Im Koalitionsvertrag wird in einem Punkt von Zucker gesprochen: „Für die Nationale Reduktionsstrategie für Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten werden wir 2018 gemeinsam mit den Beteiligten ein Konzept erarbeiten (…).“ Dabei ist die Rede von Fertigprodukten, aber nicht von Getränken oder anderen Nahrungsmitteln. Und auch nicht von einer konkreten Preisänderung. In Frankreich, Ungarn, Finnland und Mexiko werden Produkte mit Zucker bereits besteuert.

Verbraucherorganisation fordert Zucker-Besteuerungen

Die Verbraucherverbände wie „foodwatch“ fordern von der Bundesregierung die Einführung einer Sonderabgabe auf Zuckergetränken für die Hersteller. Foodwatch hat aber auch weitere Ideen in ihrem Kampf gegen den Zucker, wie Kennzeichnungen von Nährwerten auf der Vorderseite der Produkte, um große Mengen Zucker, Fett oder Salz schnell erkennbar zu machen. Oder kritisiert aktuell mit dem Coca-Cola-Report den Zuckerwasser-Hersteller für seine Marketingstrategie und die Mitverantwortung an Fettleibigkeit und Diabetes in Deutschland

WVZ sieht Zuckersteuer als Dämonisierung des Inhaltstoffes

Anderer Ansicht ist da die wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ): Diese teilte mit, dass eine Strafsteuer auf Zucker nichts an dem Problem Übergewicht verändern würde. Der Hauptgeschäftsführer der Lobbyorganisation, Günter Tissen: „ Das Naturprodukt Zucker zum Sündenbock für das Problem Übergewicht zu machen und mit Strafsteuern zu belegen, verschärft das Problem eher. (…) Wer Übergewicht ernsthaft bekämpfen will, muss das Gesamtpaket aus Ernährung, Genuss und Bewegung im Blick haben und nicht einzelne Zutaten dämonisieren.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel