Australische Supermarkt­regale sind hauptsächlich mit Rindfleisch, Geflügel, Schweinefleisch und Lammfleisch gefüllt. Krokodil, Büffel, Reh und Känguru werden nur in Spezialitäten-Ecken angeboten. Denn obwohl Kängurufleisch fettarm und zudem reich an Eisen, Protein und Omega-3-Fett­säuren ist, haben viele Aus­tralier ein Problem damit, ihr Wappentier zu verspeisen.

Dabei gibt es Kängurus in Hülle und Fülle, denn die vergangenen Jahre waren reich an Regen und damit an Gras. Lebten 2010 noch 27 Millionen auf dem fünften Kontinent, sind es heute geschätzt 45 Millionen. Das sind fast doppelt so viele der Kängurus wie Menschen – Australien hat eine Bevölkerung von 24 Millionen.

„Vor allem in landwirtschaftlichen Regionen gibt es mehr Kängurus als in der Wildnis, und dort verursachen sie extremen Schaden“, sagte Bryan Grieg Fry, Biologe an der Universität von Queensland. Auf den Farmen beschädigen sie Zäune, fressen dem Nutzvieh das Futter weg und zertrampeln Getreide.

Eine Überpopulation der Tiere führt auch zu mehr Unfällen mit Menschen. Erst Ende Juli sind im Bundesstaat Victoria ein Kind und in Queensland eine Frau von Kängurus verletzt worden, sie mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Medien berichteten im Juni von Farmern, die mit Massen von Kängurus zu kämpfen hatten. Tausende zögen über sein Land, sagte beispielsweise Garry Hannigan, dem ein Bauernhof in der Nähe von Broken Hill gehört. „Es waren ganze Horden hier und die Menge, die von Autos getötet wurde, war erstaunlich.“ Die Tiere alles Gras aufgefressen. Das beschleunige die Erosion an den Zäunen.

Experten fordern deswegen, die australischen Symboltiere verstärkt zu jagen. Andernfalls würde ihre Überpopulation anderen einheimischen Tieren schaden und Australien könnte einen Teil seiner Biodiversität (biologische Vielfalt) verlieren, sagte David Paton, ein Ökologe an der Universität von Adelaide, der ABC. Ein Langzeitexperiment des Wissenschaftlers zeigt, wie beispielsweise Vögel von einem eingezäunten Stück Land, in das Kängurus nicht eindringen können, profitieren.

„Die nächste Dürre wird tödlich“

Paton drängte aber auch darauf, getötete Tiere nicht einfach in der Natur verwesen zu lassen. Er plädiert genauso wie der Biologe Fry dafür, dass die Leute das Fleisch auch essen. Vor allem als Bolognese sei Känguru besonders lecker, empfahl Fry.

Jäger sollen Kängurus mit einem Schuss in den Kopf töten. Tierschützer lehnen das ab. So bezweifelt Sally Sutton von Animal Liberation, dass die Jäger immer treffen, vor allem, da die Jagd nachts stattfindet. „Und was passiert mit den Kängurujungen, die noch im Beutel sind oder schon auf den Beinen?” Ihrer Meinung nach könnten die Tiere besser durch Sterilisation oder durch ein Umsiedlungsprogramm kontrolliert werden.

Der Farmer Hannigan ist dafür, die Lage lieber früher als später unter Kontrolle zu bekommen. Denn ein trockener Sommer könnte in seinen Augen verheerende Folgen für die Tiere haben. „In der nächsten Dürre werden Millionen Kängurus sterben.“

Bis zu 1,80 Meter groß


Kängurus gibt es nur in Australien, auf Tasmanien und in Neuguinea. Von den 61 Arten ist das Rote Riesenkänguru mit bis zu 1,80 Metern Länge und  90 Kilo Gewicht die größte. Die meisten Arten sind dämmerungs- oder nachtaktiv, sie sind aber auch tagsüber zu sehen. Kängurus sind Pflanzenfresser, die sich je nach Art von Gräsern oder Blättern ernähren.

Jungtiere kommen nach 20 bis 40 Tagen Tragezeit relativ unterentwickelt zur Welt. Direkt nach der Geburt klettern sie in den Beutel der Mutter und hängen sich für zwei bis drei Monate an eine Zitze. Nach einem halben Jahr verlassen sie erstmals den Beutel, werden aber noch ein halbes Jahr lang  gesäugt. Kängurus meiden normalerweise den Menschen, sie können aber in Dürre- und Hungerzeiten auf der Suche nach Nahrung aggressiv werden. eb