Luftfahrt Zu viele Drohnen über Flughäfen

Frankfurt / dpa 11.01.2018

Drohnen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit bei Hobby-Piloten. Damit werden sie auch für den Flugverkehr ein immer größeres Problem. Im vergangenen Jahr sind sie  laut der Deutschen Flugsicherung allein 70 Mal in der Nähe von deutschen Flughäfen gesichtet worden. Weitere 18 Mal entdeckten Piloten Drohnen im freien Flug in in ihrer Nähe. Damit hat sich die Zahl der gefährlichen Begegnungen zwar erhöht, aber nicht ganz so stark wie befürchtet. 2016 hatte die Flugsicherung 58 Drohnen bei An- oder Abflügen gezählt, plus sechs auf freier Strecke.

Mit 15 Drohnen sind die mit Abstand meisten Sichtungen 2017 in der Nähe des Frankfurter Flughafens gemeldet worden, wie aus der aktuellen Zählung der Flugsicherung hervorgeht. Es folgen Berlin-Tegel mit elf, Düsseldorf mit acht und München mit sieben Sichtungen.

Im Oktober ist in Kanada erstmals eine Drohne mit einem Passagierflugzeug zusammengestoßen. Nach Angaben der Behörden gab es nur kleinere Schäden. Hätte die Drohne die Triebwerke oder das Cockpit getroffen, hätte es zur Katastrophe kommen können. 2016 war ein Lufthansa-Airbus bei der Landung in München beinahe mit einem Quadrocopter zusammengestoßen.

„Viele Menschen haben offensichtlich keine Vorstellung davon, wie gefährlich ein Drohnenflug am falschen Ort sein kann“, sagte Ute Otterbein, die Sprecherin der Deutschen Flugsicherung, der Deutschen Presse-Agentur. Prognosen, dass es 2017 erstmals mehr als 100 Vorfälle werden würden, seien zwar nicht eingetroffen, dennoch seien es „immer noch zu viele“.

Um über die Gefahren aufzuklären, habe die Flugsicherung im Sommer deshalb eine DrohnenApp entwickelt, sagte Otterbein. Sie werde inzwischen von 20 000 Menschen genutzt. Auch Bücher informieren, wo  Fliegen verboten ist. Die Flugsicherung schätzt, dass es rund eine Million Drohnen in Privathaushalten gibt, kleinere Modelle gibt es schon für weniger als 100 Euro. Fotografen nutzen größere Modelle zum Beispiel für Luftaufnahmen, Versandunternehmen wie Amazon testen Paketlieferungen per Drohne.

Deswegen gelten seit Oktober verschärfte Regeln für Besitzer: Große Geräte müssen gekennzeichnet. Teilweise wird eine Aufstiegserlaubnis benötigt. Ist die Drohne schwerer als zwei Kilo, braucht der Pilot einen Nachweis, dass ihm die Bestimmungen bekannt sind. Maximale Flughöhe ist 100 Meter. Über „sensiblen Zonen“ wie Flughäfen sind Drohnenflüge ganz verboten und werden mit Geldbußen oder Freiheitsstrafen geahndet.

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Verbotszonen beachten: Flugsicherungs-App hilft Drohnenpiloten

 

Berlin (dpa/tmn) - Drohnenpiloten müssen sich an Regeln halten. Damit sie immer wissen, ob und wo sie ihr Fluggerät aufsteigen lassen können, hat die Deutschen Flugsicherung (DFS) eine passende App erstellt. Einmal mit allen nötigen Daten rund um die Drohne gefüttert, zeigt sie auf detaillierten Karten an, ob am gewünschten Ort geflogen werden darf. Sichtbar sind Verbotszonen etwa über Flughäfen, aber auch über und rund um Polizeiwachen, Krankenhäuser oder Botschaften.

Dabei stellt die App detailliert dar, welche Bestimmungen der Drohnenverordnung erfüllt oder eben nicht erfüllt sind. Das soll laut DFS auch dabei helfen, die komplizierten Regeln zu lernen. Über das Menü können weitere nützliche Hinweise, Wetterinformationen und Kontaktdaten von Behörden abgerufen werden. Die DFS Drohnen-App gibt es für Android und iOS.

Fragen an Markus Wahl, Pressesprecher der Vereinigung Cockpit

Herr Wahl, wie gefährlich sind Drohnen wirklich? Ein Jumbojet ist von einer 120-Gramm-Drohne unbeeindruckt. Aber die handelsübliche DJI-Phantom-Drohne hat ein Gewicht von über einem Kilo. Vor allem kleinere Flugzeuge und Hubschrauber sind gefährdet.

Welche Schäden können Drohnen verursachen? Bei Tests konnten 600-Gramm-Drohnen Cockpitfenster durchschlagen. Damit sind sie für uns vergleichbar mit Vögeln. 2009 sind Gänse in die Triebwerke einer mit 115 Personen besetzten Maschine geraten, was zur berühmten Notwasserung auf dem Hudson River in Manhattan führte. Vögel sind relativ weiche Tiere –  Drohnen dagegen aus Plastik und Metall mit schweren Akkus.

Welche Präventionsmaßnahmen gibt es? Drohnen sind zu klein, um auf dem Radar aufzutauchen. Die Fluglotsen können Piloten nicht warnen. Eine Möglichkeit wäre, einen Transponderchip für alle Drohnen verbindlich vorzuschreiben. Damit könnten Lotsen deren exakte Position sehen. Eine Alternative wäre, das GPS der Drohnen so zu programmieren, dass sie den Flug in eine Verbotszone automatisch verweigern.

Sind die gesetzlichen Regelungen ausreichend? Die Verschärfung der Regeln konnte nur der erste Schritt sein. Ich persönlich unterstütze die Idee eines Drohnen-Führerscheins. Ich sehe das Problem nicht bei Kriminellen, sondern bei rechtschaffenen Bürgern, denen  nicht klar ist, dass sie in eine Verbotszone fliegen. Es muss ihnen bewusst werden, dass das kein Kavaliersdelikt ist.  Denn es stehen Menschenleben auf dem Spiel.

Müssen sich Fluggäste Sorgen machen? 2017 war das sicherste Flugjahr aller Zeiten in Deutschland. Bis jetzt gab es keinen schwerwiegenden Vorfall mit Drohnen. Ich will Drohnen nicht verteufeln. Die Geräte machen Spaß und sind nützlich. Es geht darum, sie in den Flugbetrieb zu integrieren und gleichzeitig die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Zla