Tradition Zu knapp eingeschenkt: Die Wiesn flaggt Halbmaß

Da hat jemand nicht richtig eingeschenkt.
Da hat jemand nicht richtig eingeschenkt. © Foto: © Mike Richter/Shutterstock.com
Hajo Zenker 26.09.2017
Auf der Wiesn ist das Maß oft genug voll, die Maß aber leider nicht oft genug. Das jedenfalls hat der „Verein gegen betrügerisches Einschenken“ ermittelt.

Bayern hat ein Problem. Und damit Deutschland. Nein, nicht was Sie jetzt denken. Nix mit Politik. Allerdings mit Leitkultur. Denn auf der Wiesn, also dem größtenteils im September veranstalteten Oktoberfest in München, wird zu wenig Bier ausgeschenkt. Nicht generell selbstverständlich, sondern jeweils in das Glas oder den Krug des Besuchers.

Der Verein gegen betrügerisches Einschenken (VGBE) hat jetzt in immerhin 13 Zelten insgesamt 91 Maß Bier nachgemessen. Und da war niemals ein ganzer Liter Gerstensaft im Glas zu finden. Im schlechtesten Fall bekam der Gast 0,77 Liter eingeschenkt, im besten waren es aber immerhin doch 0,99 Liter. Der Schnitt betrug dem Verein zufolge 0,88 Liter. Im Vorjahr war man auf 0,85 Liter gekommen. 2013 waren es allerdings schon einmal 0,90 Liter gewesen. Der Verein errechnet auf dieser Grundlage immerhin eine Summe von sechs Millionen Euro, um die die Besucher des größten Volksfestes der Welt in diesem Jahr betrogen werden – kostet eine Maß doch mittlerweile zwischen 10,60 und 10,95 Euro.

Und nun kommt noch die allerschlechteste Nachricht: Der Verein gegen betrügerisches Einschenken prangert diese Zustände bereits seit dem Jahr 1899 an. Beim urbayerischen, urdeutschen Lebensmittel Bier also werden wir seit Jahr und Tag betrogen. Eine neue Leitkulturdebatte muss unbedingt angestoßen werden. Am besten mit Hilfe von Maßkrügen.