Der heftigste Wintersturm seit Jahrzehnten hat Teile des Nahen Ostens ins Chaos gestürzt. In Israel waren nach Schneefall rund um Jerusalem und Überschwemmungen in niedrigeren Lagen auch am Sonntag noch 16 000 Haushalte ohne Strom. Die Menschen saßen nicht nur im Dunkeln, sondern auch in klammen und kalten Wohnungen, weil die meist nur elektrisch zu beheizen sind.

Jerusalem war am Wochenende weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Polizei und Militär waren rund um die Uhr im Einsatz, um Menschen aus Notlagen zu bergen. Wenigstens zwei Menschen sind infolge des Unwetter gestorben: Ein Mann stürzte von Dach seines Hauses, als er ein Loch zu flicken versuchte. Ein Baby kam bei einem Wohnungsbrand ums Leben, der von einem Ofen ausgelöst worden war.

Bäume, die auf oberirdische Strommasten gestürzt waren, haben an vielen Orten die Stromversorgung unterbrochen. In Jerusalems biblischem Zoo sind sieben Tiere gestorben: Eine umgewehte Palme habe zwei Flamingos unter sich begraben, sagte die Zoo-Sprecherin Sigalit Herz, außerdem seien drei Vögel und zwei junge Nabelschweine (Pekaris) erfroren.

In Jerusalem haben  noch Schneereste gelegen. Wegen vereister Straßen sind zu Beginn der israelischen Arbeitswoche kaum öffentliche Verkehrsmittel gefahren. Die Schulen blieben wie im Norden des Landes geschlossen und die Menschen waren aufgerufen, ihre Häuser erst am späten Morgen zu verlassen. Die Autobahn nach Tel Aviv war wegen Unfallgefahr noch für Privatfahrzeuge gesperrt.

Gaza

Besonders zu leiden hatten viele Menschen im palästinensischen Gazastreifen. Dort ist die soziale Lage wegen der langjährigen israelischen und seit Juli auch ägyptischen Blockade ohnehin schon schwierig. Beinahe 100 Menschen wurden verletzt, weil ihre oft nur aus Wellblech zusammengezimmerten Notunterkünfte dem Sturm nicht standhielten. Mehr als 2200 Menschen mussten aus überfluteten Häusern gerettet werden. Zudem gibt es nur selten Strom. Auch Heizmaterial ist knapp.

Libanon

Im Libanon hat sich die Wetterlage entspannt. In der Nacht zum Samstag waren in der östlichen Bekaa-Ebene bis zu 40 Zentimeter Neuschnee gefallen. Einheiten des Katastrophenschutzes versuchten, die Straßen zu räumen. In den Bergregionen des Südlibanon, die an Israel grenzen, fiel Schnee bis in Lagen von 500 Metern.

Syrien

Die Lage der Kriegsflüchtlinge in Syrien habe sich deutlich verschlimmert, teilten die SOS-Kinderdörfer mit. Viele hätten nur das, was sie am Leib trügen, die Flüchtlinge vegetierten in Zelten aus Lumpen oder in den Ruinen zerstörter Häuser. Sehr viele Kinder seien bereits unterernährt, nun kämen auch noch die Kälte und der Schnee hinzu. "Es ist zu befürchten, dass viele Kinder die nächsten Wochen nicht überleben werden, wenn nicht schnell gehandelt wird."

Die Vereinten Nationen haben mit einer Luftbrücke vom Irak in den Nordosten Syriens beginnen können. Ein Flugzeug mit 40 Tonnen Hilfsgütern ist Richtung Kamischli gestartet. Das Welternährungsprogramm, das UN-Kinderhilfswerk Unicef und das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR wollen die schwer zugänglichen Regionen im Nordosten Syriens winterfest machen. Dazu müssen Isolierzelte, Plastikdecken und warme Kleidung sowie Treibstoff geliefert werden. Die Luftbrücke sollte ursprünglich bereits am Donnerstag eingerichtet werden. Das hat der schwere Sturm jedoch verhindert.

Stromversorgung in Gaza