Bei einem in Baden-Württemberg überfahrenen Tier könnte es sich um den vermissten Wolf aus dem Wildpark Knüll handeln. Ein Sprecher des Schwalm-Eder-Kreises sagte am Mittwoch, dass diese Möglichkeit bestehe. Noch ist allerdings unklar, ob das tote Tier tatsächlich ein Wolf ist. „Wir halten es für sehr wahrscheinlich“, sagte eine Sprecherin der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg auf Anfrage. Der Kadaver habe sich in einem schlechten Zustand befunden.

Der Vierbeiner war in der Nacht zum Dienstag auf der Autobahn 6 bei Öhringen im Hohenlohekreis unter die Räder gekommen und tödlich verletzt worden. Ersten Einschätzungen nach handelt es sich um einen Wolf. Die Unfallstelle liegt in der Nähe von mehreren Orten im Odenwald, in denen kürzlich ein Wolf gesichtet worden war.

Die Entfernung zwischen dem Fundort des toten Tieres und dem Wildpark in Nordhessen beträgt etwa 280 Kilometer. „Eine solche Strecke kann ein Wolf durchaus im Laufe mehrerer Tage zurücklegen“, sagte der Sprecher des Schwalm-Eder-Kreises.

Nun soll das Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin klären, ob es sich bei dem toten Tier um einen Wolf handelt. Die DNA-Spuren des Tieres werden vom Forschungsinstitut Senckenberg in Gelnhausen (Main-Kinzig-Kreis) untersucht. Die Experten vergleichen Spuren des toten Vierbeiners mit dem hinterlegten Erbgut des ausgebrochenen Wolfes. Dies dürfte einige Wochen in Anspruch nehmen, wie es vom Schwalm-Eder-Kreis hieß.

Zwei Wölfe waren am 18. Januar aus ihrem Gehege im Wildpark Knüll ausgebrochen. Ein Wolf wurde aus Sicherheitsgründen im frei zugänglichen Teil des Parks erschossen, dem zweiten gelang die Flucht. Seither versuchte der Wildpark das Tier einzufangen. Eingerichtete Futterstelle zum Anlocken des Tieres habe der Wolf nicht angenommen. In Lebendfallen tappte er auch nicht.

Zudem ist nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Wölfe durch die Wälder zwischen Hessen, Bayern und Baden-Württemberg streifen. Nach dem Fund toter Schafe und einer verendeten Ziege in der südhessischen Gemeinde Hesseneck Ende 2017 bestätigten genetische Untersuchungen den Verdacht, dass die Tiere von einem Wolf gerissen wurden. Hesseneck liegt unweit des baden-württembergischen Neckar-Odenwald-Kreises, wo am Wochenende ein Wolf gesehen wurde.

Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland sorgt seit Jahren für Diskussionen. Immer wieder werden Nutztiere gerissen. Deshalb gibt es Forderungen, die Zahl der Wölfe durch Bejagung zu regulieren. Naturschützer fordern andere Schritte. So sollten Landwirte etwa individuelle Beratung und Geld für geeignete Zäune erhalten.

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt

Pressemitteilung

Wölfe in Hessen und Deutschland - Infos Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

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