Drohne Regeln für Drohnenflugscheine

Mulitcopter-Drohne: Ab Oktober greift die neue Verordnung im Bundesgebiet
Mulitcopter-Drohne: Ab Oktober greift die neue Verordnung im Bundesgebiet © Foto: Julian Stratenschule/dpa
Ulm/Neu-Ulm / Sebastian Grundke 10.01.2018
Seit Oktober 2017 gelten bundesweit neue Regeln für Drohnen. Für manche Modelle ist ein Drohnenflugschein Pflicht.

Seit Oktober 2017 müssen Drohnenflieger einen Kenntnisnachweis vorweisen können. Das geht aus der seit Anfang April geltenden Luftverkehrsordnung hervor. Zudem müssen die Drohnen zukünftig mit einer Plakette ausgerüstet sein, auf der der Inhaber der Drohne vermerkt ist. Für die Regelung galt eine Übergangsfrist von sechs Monaten, die nun ausläuft.

„Alle Steuerer von unbemannten Fluggeräten ab zwei Kilo Abfluggewicht, wie etwa der DJI Inspire, benötigen ab dem 1. Oktober einen Kenntnisnachweis“, sagte Maximilian Beck, Drohnenexperte und Autor der Buchreihe Dr. Drohne. Der Nachweis sei entweder erbracht, wenn man eine gültige Pilotenlizenz besitzt oder eine Prüfung bei einer so genannten anerkannten Stelle absolviert. „Sofern man ausschließlich zu Sport- und Freizeitzwecken fliegt, reicht aber ein Kenntnisnachweis von einem Luftsportverband wie dem Deutschen Modellflieger-Verband“, sagte er.

Unglücke Hintergrund der Novelle

Drohnenfliegen ist in Mode: Rund eine Millionen Drohnen gibt es nach Schätzungen des Bundesverbandes Copter Piloten (BVCP) momentan in Deutschland. Laufend werden es mehr. Denn schon ab etwa 100 Euro ist manches Modell zu haben. Gesteuert werden die Flugmodelle teilweise mit einer Smartphone-App oder vom Tablet-PC aus. Doch der Boom bei der Drohnenfliegerei bringt auch Probleme mit sich: Immer wieder stürzen die Geräte ab oder verursachen Unfälle. In Ulm etwa verunglückte bereits eine Drohne auf dem Münsterturm. Im bayerischen Eltmann wiederum warf ein Pferd seinen Reiter ab, weil eine Drohne dem Tier zu nah gekommen war. Derlei Vorfälle häufen sich, nicht nur im Südwesten und in Bayern. Auf Wirken von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) entstand auch deshalb die Novelle der Luftverkehrsordnung speziell für Drohnenflieger, die nun zum Oktober erstmals gilt.

Die Regeln für den Drohnenführerschein sind für besonders schwere Geräte gemacht, so dass gewerbliche Drohnenpiloten stärker von ihnen betroffen sind: „Die Luftverkehrsordnung fordert von den Steuerern unbemannter Fluggeräte ab zwei Kilogramm, so genannter Drohnen und Modellflugzeugen, dass diese Kenntnisse in der Anwendung und Navigation dieser Fluggeräte haben“, sagte Cornelia Cramer, Sprecherin des Luftfahrtbundesamtes (LBA) in Braunschweig. Zudem müssten auch einschlägige luftrechtliche Grundlagen und Kenntnisse der örtlichen Luftraumstruktur nachgewiesen werden. „Was Kosten und genauen Ablauf der Prüfungen betrifft können wir aber leider keine Angaben“, sagte sie.

Denn die Regeln lassen Spielraum bei ihrer Handhabe: Beispielsweise ist der Fragenkatalog der Prüfungen, anders als beim Führerschein für PKW, nicht einheitlich geregelt. Auch ist unklar, wie genau der Nachweis über praktische Kenntnisse in der Drohnenfliegerei erbracht werden muss. Das LBA kontrolliert hierzu nur recht allgemein die Fragen für die theoretische Prüfung. Alles andere ist Sache der so genannten fachkundigen Stelle, welche die Prüfung abnimmt und die dafür vom LBA auswählt wird.

Prüfungskosten nicht einheitlich geregelt

Zu den Prüfungsstellen für die Drohnenflugscheine für schwere Drohnen gehören Verbände wie etwa der Deutschsprachige Verband für Unbemannte Luftfahrt (UAV). Die Organisation ist eine von bundesweit 18 anerkannten Stellen für die neuen Nachweise und eine von zwei bislang berechtigten Stellen in Baden-Württemberg. Der UAV arbeitet dabei insgesamt mit rund zwanzig verschiedenen Firmen für die Ausbildung von Drohnenpiloten zusammen, darunter Airbus, die Strabag oder die Uni Tübingen. Die Prüfung kostet beim UAV 130 Euro.

Zu den Prüfungskosten kommen solche für Flugkurse: Gewerbliche Drohnenflieger müssen mit Preisen von bis zu 600 Euro und mehr für einen mehrtägigen Vorbereitungskurs rechnen, bevor dann eine vom LBA abgesegnete Stelle wie der UAV die Prüfung abnimmt. Pflicht sind diese Kurse nicht, aber oftmals angeraten.

Für Hobby-Flieger sind ohnehin eher die Modellflugverbände die richtige Adresse. Beim Deutschen Modellflieger Verband verweist etwa Verbandsjustiziar Carl Sonnenschein darauf, dass die strengeren Regeln keinesfalls das Aus für deutsche Drohnenpiloten bedeuten würden: „Soweit den Hobbyfliegern die Regeln bekannt sind und insbesondere der Kenntnisnachweis erworben wurde, kann selbstverständlich weiter geflogen werden“, sagte er. Für die Prüfung zum Nachweis ist bei dem Verein wie bei den meisten Modellflugverbänden lediglich ein kleiner Geldbetrag fällig: 25 Euro nämlich. Bloß darf dafür eben auch nur auf dem Flugplatz des Vereines oder an anderen, völlig unbedenklichen Orten mit einer Drohne geflogen werden.

Die neue Norm soll die Bürger aber nicht nur vor Drohnenabstürzen nach übermütigen Flugmanövern schützen. Auch die Praxis in den Bundesländern soll sie vereinheitlichen. Die war in der Vergangenheit insbesondere bei den Erlaubnissen für Flüge besonders schwerer Drohnen variantenreich: So gab es in Niedersachsen beispielsweise bislang eine Art Flugerlaubnis gegen Geld, in Bayern wiederum war das Drohnenfliegen umsonst, allerdings musste es online beantragt und dann eine Einspruchsfrist abgewartet werden. Auch gab es allerorten gängige Ausnahmen, etwa für das Fliegen nahe Flüssen oder am Meer - meist, sofern der Pilot in Ufernähe wohnte.

Bei Verstößen gegen das Regelwerk können theoretisch bis zu 50.000 Euro fällig werden. Realistisch sind jedoch geringere Beträge: Fachleute halten Kosten im Bereich bis 100 Euro, etwa bei Vergessen des Nachweises oder anderer Ordnungswidrigkeiten für wahrscheinlich. Kontrolliert wird das Ganze zukünftig vor allem durch die Polizei, aber auch durch Ordnungsämter und die Luftfahrtbehörden.

Braucht den Drohnenflugschein wirklich jeder?

Geräte ab zwei Kilogramm Gewicht fallen häufig in den teuren Profibereich. Semi-professionelle Quadrokoptermodelle wie die DJI Phantom, die DJI Mavic oder die meisten Modelle von Yuneec wiegen allerdings weniger, so dass für sie weiterhin kein Nachweis nötig ist. Auch die neue Kennzeichnungspflicht entfällt bei manchen, leichteren Drohnen – hier allerdings nur bei solchen, die weniger als 250 Gramm wiegen. Ansonsten ist eine feuerfeste Plakette an der Drohne mit dem Namen des Inhabers nötig. Die gibt es schon für kleines Geld bei entsprechenden Händlern im Internet.

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