Tag der Konservendose Was ihr über die Konservendose noch nicht wusstet

Schnell fertig, gut zu transportieren, mehr oder minder lecker und auf jeden Fall ein Sattmacher: Essen aus der Dose erfreut sich seit über 200 Jahren großer Beliebtheit.
Schnell fertig, gut zu transportieren, mehr oder minder lecker und auf jeden Fall ein Sattmacher: Essen aus der Dose erfreut sich seit über 200 Jahren großer Beliebtheit. © Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Ulm / swp 25.08.2018
Lebensretter hungriger Studenten, Dorn im Auge vieler Umweltschützer, beliebtes Bastelobjekt: Zum Welttag der Konservendose präsentieren wir Informationen rund um das heilige Blech.

Jeder kennt sie, fast jeder hat im Laufe seines Lebens schon darauf zurückgegriffen: Die Konservendose erfreut sich über 200 Jahre nach ihrer Erfindung noch immer großer Beliebtheit. Wir haben Wissenswertes und Kurioses aus Geschichte und Gegenwart der Blechdose zusammengetragen.

Mit der Konserven-Flasche fing es an

Die ersten Konservendosen waren aus Glas: Im 18. Jahrhundert setzte Napoleon Bonaparte einen Preis von 12.000 Franc für denjenigen aus, der es schaffte, Lebensmittel haltbar zu machen – für damalige Verhältnisse eine Millionenprämie. Der Grund: Der gefährlichste Feind seiner Soldaten war nicht die gegnerische Armee, sondern der Hunger.

Der Durchbruch gelang dem Franzosen Nicolas Appert: Er füllte leere Sektflaschen mit Lebensmitteln, verkorkte sie und versiegelte sie mit einer hitzebeständigen Schmiere aus gebranntem Kalk und Käse. In einem Wasserbottich wurden die Flaschen im Anschluss so lange erhitzt, bis ihr Inhalt steril war. Das Prinzip der Hitzesterilisation war geboren – und Appert ein reicher Mann.

Von der Flasche zur Dose

Die Glas-Konserven hatten allerdings einen entscheidenden Nachteil: Sie zerbrachen leicht und oft, wann immer die Soldaten unwegsames Gelände durchqueren mussten. Eine Alternative musste her – und wieder war es ein Franzose, der sie fand: Philippe de Girard, ein französischer Techniker, experimentierte mit Gefäßen aus Zinn.

Als seine Versuche von Erfolg gekrönt wurden, verkaufte de Girard seine Idee an den britischen Geschäftsmann Peter Durand. Dieser meldete die Konservendose am 25. August 1810 zum Patent an. 1812 ging in London die erste Konservendosenfabrik in Betrieb.

Mit Hammer und Meißel

Der Dosenöffner wurde übrigens erst anno 1855, also 45 Jahre nach der Erfindung der Konservendose, erfunden. Bis dahin öffneten die Soldaten ihre Dosen mit dem Bajonett – Ottonormalverbraucher musste zu Beil, Messer, Hammer und Meißel greifen.

Wie man eine Dose im Notfall ganz ohne Werkzeug öffnen kann, seht ihr hier:

Gift aus der Dose?

Die ersten Konservendosen entstanden in aufwändiger Handarbeit: Mit Blei wurde das Blech in Zylinderform gelötet. So entstanden etwa 60 Dosen pro Tag. Das Problem: Nicht selten gelangte das Blei nach dem Befüllen in die Lebensmittel. Viele Soldaten wurden dadurch vergiftet.

Heute werden Konservendosen ganz ohne Blei industriell gefertigt. Dennoch bleibt eine gewisse Gesundheitsgefahr bestehen: Einige Dosen bestehen aus verzinntem Stahlblech. Lebensmittel, die Fruchtsäure enthalten oder denen Zitronensäure beigefügt wurde, können Zinn aus dem Dosenmaterial herauslösen. Dieser Effekt verstärkt sich durch den Sauerstoff der Umgebungsluft, wenn die Dose geöffnet wurde. Lebensmittel sollten daher niemals in geöffneten Konservendosen gelagert werden.

„Initiative Lebensmitteldose“

Angesichts vieler negativen Meinungen über die Konservendose schlossen sich im Jahr 2000 namhafte deutsche Hersteller aus der Lebensmittel- und Verpackungsindustrie zur „Initiative Lebensmitteldose“ zusammen. Sie wollen zeigen, warum Konservendosen eine besonders nachhaltige Verpackung sind – und wie sie dazu beitragen, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren.

Ihre Argumente:

  • Stabil: Dosen werden aus Verpackungsstahl hergestellt. Dieses Material bildet eine undurchdringliche Barriere gegen Licht, Sauerstoff, Verunreinigung oder gegen Schläge und Stöße. Die Lebensmittel und ihre Nährstoffe bleiben hingegen erhalten.
  • Haltbar: Ein Haushaltscheck bestätigte: Nur bei 1,6 Prozent der Dosen in den befragten Haushalten war das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen. Dosen werden also in der Tat so gut wie nie unbenutzt weggeworfen.
  • Nahrhaft: Lebensmittel in Dosen bieten vergleichbare Nährwerte wie frisch zubereitete Mahlzeiten. Das belegen zumindest Studien, die wissenschaftliche Institute im Auftrag der „Initiative Lebensmitteldos“ durchgeführt haben.

Die Konservendose in Krieg und Kunst

Der britische Schriftsteller George Orwell war der Meinung, dass der erste Weltkrieg ohne die Konservendose so nicht stattgefunden hätte.

Der Pop-Art-Künstler Andy Warhol hat ihr sogar ein künstlerisches Denkmal gesetzt: Er malte und druckte in den 1960er Jahren alle 32 Sorten von Campbell's Dosensuppen.

Wegwerf-Gegenstand und Bastelobjekt

Leere Konservendosen gehören in den Gelben Sack. Sie lassen sich hervorragend wiederverwenden: Beim Blech-Recycling liegt die Verwertungsquote in Deutschland für Aluminiumverpackungen bei 77 Prozent. Weißblech erreicht sogar 92 Prozent. Unumstritten sind Konservendosen aber dennoch nicht: Umweltschützer kritisieren den hohen Energieaufwand und damit Kohlenstoffdioxidausstoß, der nötig ist, um sie herzustellen.

Wer leeren Dosen nicht einfach wegwerfen will, kann hervorragend damit basteln: Die Zylinder eignen sich als Stifteköcher, Kräuter-Töpfe, Spardose, Laternen – und sogar als Grill für unterwegs!

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