Der Ausbau der Gäubahn zwischen Stuttgart und Zürich muss endlich vorangehen - das fordern Wirtschaftsvertreter an Hochrhein und Bodensee. Die Verbindung sei elementar für die Region, sagte der Präsident der dortigen Industrie- und Handelskammer, Thomas Conrady, am Donnerstag in Singen (Kreis Konstanz). Zwar stehe der Ausbau im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans und der Bundestag habe dafür bis 2030 rund 550 Millionen Euro eingeplant. Die Sorge sei aber groß, ob die noch anstehenden Maßnahmen in diesem Zeitraum realisiert werden könnten.

Der Singener Oberbürgermeister Bernd Häusler forderte vor allem von der Bahn mehr Einsatz: Die Strecke sei wie ein „ungeliebtes Kindlein“, alles gehe unglaublich langsam und schwerfällig voran, sagte er am Donnerstag.

Die Finanzierung für den Ausbau stehe - jetzt müsse gehandelt werden, sagte der Konstanzer CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Jung. Bund und Bahn müssten nun zunächst Klarheit über ein Betriebskonzept auf der Strecke schaffen. Bislang ist beispielsweise noch strittig, ob auch Neigetechnik-Züge - also Züge, die sich in die Kurve legen können - auf der Verbindung eingesetzt werden sollen.

Beim Verkehrsministerium in Stuttgart hieß es, die Ausbaupläne im Bundesverkehrswegeplan basierten auf dem Einsatz dieser Züge. „Da die Deutsche Bahn und ihre Fernverkehrssparte den Einsatz von Neigetechnikzügen für die Zukunft ausschließen, gibt es Verzögerungen bei den weiteren Ausbauplanungen“, sagte ein Sprecher. Derzeit würden auf Wunsch des Bundes unterschiedliche Ausbauvarianten mit und ohne Neigetechnik vertieft. Ohne die Technik seien jedoch die angestrebten Fahrzeitverkürzungen nicht erreichbar

Ein Ausbau der Gäubahn soll die Fahrzeit zwischen Stuttgart und Zürich von aktuell drei Stunden für Reisende verkürzen. Außerdem sollen der steigende Güterverkehr aufgefangen und die Straßen entlastet werden. Die Schweiz hatte ihren Anteil an der Strecke von Zürich bis zur Landesgrenze bereits 2014 doppelspurig ausgebaut. Auf deutscher Seite verläuft die Strecke auf rund 80 Kilometern zwischen Horb und Hattingen allerdings noch immer einspurig.

Im April hatten Bund und Bahn eine Finanzierungsvereinbarung für den Ausbau eines 5,8 Kilometer langen Abschnittes zwischen Horb und Neckarhausen geschlossen. „Der Baubeginn ist geplant für 2021“, sagte eine Sprecherin der Bahn. „Wir gehen von einer Inbetriebnahme 2023 aus.“ Wann der zweigleisige Ausbau etwa zwischen den beiden weiteren Abschnitten Rottweil-Neufra und Rietheim-Wurmlingen starten könnte, ist noch unklar. Derzeit würden aktuelle Studien geprüft, sagte die Sprecherin weiter. Zwar sei ein schneller Ausbau auch im Interesse des Unternehmens. Dafür müssten aber die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sein. In einer Arbeitsgruppe berieten Bahn, Bund und Land derzeit in enger Abstimmung mit der Schweiz über das Projekt.

Historie der Gäubahn

Weitere Infos zur Gäubahn beim Verkehrsministerium