Die Wirtschaftskrise hat das Herz des italienischen Sommertourismus erreicht: Betreiber von Strandbädern kämpfen mit Dumping-Preisen und Gratisangeboten um die ausbleibenden Kunden. Zwischen 20 und 30 Prozent weniger Urlauber als im vergangenen Jahr mieten Sonnenschirme und Liegen.

Während auf den privat betriebenen Anlagen sonnenhungrige Touristen ausbleiben, drängen sich auf den weniger ausgedehnten freien Stränden umso mehr Familien. Dabei werben Strandbäder selbst in traditionellen Touristenhochburgen wie Viareggio mit Billigangeboten. Nach dem Motto"Zahl zwei, nimm drei" sind Sonnenschirm und Liege im Strandbad Nettuno sonntags für diejenigen Kunden gratis, die für Freitag und Samstag bezahlen.

Neuerdings wurden die langen Reihen mit Liegen hier je nach Nähe zum Wasser in unterschiedliche Preiskategorien unterteilt.

Die Not macht nicht nur erfinderisch. Sie bedroht in vielen Fällen mittlerweile das Überleben der Tourismusindustrie, beklagt der Verband der italienischen Badeanstalten. Demnach sind 30 000 Betreiber privater Strandabschnitte von der Pleite bedroht. Badeanlagen inklusive Restaurant etwa in Messina seien mittlerweile zu Spottpreisen auf Ebay erhältlich.

Trotz Krise stiegen bislang die Preise für den Strandurlaub stetig, während die Konkurrenz im Ausland wuchs, ohne dass italienische Urlaubsorte am Meer derweil attraktiver geworden wären. Selbst in diesem Jahr verzeichnete der Verbraucherschutzverband Codacons am Beginn der Saison Preiserhöhungen von knapp acht Prozent.

"Wir machen es wie Ryanair" sagt dagegen der Betreiber des Strandbads Nettuno in Viareggio, Oreste Giannessi, mit 240 Sonnenschirmen. Seine Familie vermietet seit 150 Jahren die nötige Ausrüstung für den Badeurlaub. In der hintersten der drei Reihen bietet er in diesem Jahr Sonnenschirm und Liege schon für zwölf Euro an. In der ersten Reihe kostet es allerdings weiterhin 25 Euro am Tag.

Die Urlauber geben immer weniger Geld an der Bar und im Restaurant aus. Dabei war der Verkauf von Getränken und Pizza am Strand bislang ein lukratives Geschäft. Um überhaupt Kunden unter ihre Schirme zu locken, bietet mancher Vermieter in diesem Jahr zusätzlich gratis Englischkurse an. Auf Elba locken den Urlauber Hotels, bei denen der Sonnenschirm, die Fähre oder gar der Flug im Preis inbegriffen ist.

In der Touristenhochburg Jesolo senken die Betreiber privater Strandbäder durch das Modell des"Beach-Sharing" die eigenen Kosten. Wer seinen Platz unter dem Sonnenschirm als Besitzer einer Ferienwohnung nicht nutzt, kann diesen Hotels zur Verfügung stellen. Bei 14 Kilometer langen Stränden mit einer Kapazität von bis zu 150 000 Urlaubern hoffen die 27 Strandkonsortien ihr Angebot zu optimieren.