Hundeangriff Wie kann es zu Kampfhund-Angriffen kommen?

Wie kann es zu Hunde-Angriffen kommen?
Wie kann es zu Hunde-Angriffen kommen? © Foto: dpa
Ulm / Rebecca Jacob 04.04.2018
Ein Staffordshire-Terrier hat in Hannover seine Besitzer tot gebissen. Experten erklären, wie es dazu kommen kann.

Thomas Riepe, Verband der Hundepsychologen: Solche Unfälle sind ganz selten – der Mensch ist für den Hund das heiligste Wesen. Bis Details bekannt sind, kann man nur spekulieren. Grundsätzlich ist keine Rasse gefährlicher als andere. Bei 70 Prozent der Beißunfälle, mit denen ich zu tun habe, war der Hund krank, hatte etwa hormonelle Probleme oder, seltener, einen Hirntumor. Der zweithäufigste Grund ist eine gewaltvolle Erziehung durch Härte. Hunde haben ein Stresssystem wie wir, und das kann unter enormer Belastung kollabieren oder überreagieren.

Ariane Ullrich, Verhaltensbiologin, Verband der Hundeerzieher und Verhaltensberater: Hunde sind in erster Linie Beutegreifer, keine Kuscheltiere. Die Einteilung in gefährlich und ungefährlich ist eine menschliche Sichtweise – einen per se als aggressiv oder friedlich einstufbaren Hund gibt es nicht. Aggressionen entspringen der Forderung an den Hund, sich unserer Welt anzupassen. Läuft er immer an der kurzen Leine, kann seinen Bewegungsdrang nicht ausleben und lernt nie andere Hunde kennen, entstehen Ängste, die in Aggressionen münden können.

Udo Kopernik, Verband für das Deutsche Hundewesen: Aggressionen sind nicht rassespezifisch: In den USA sind Staffordshire Terrier beliebte Familienhunde, da sie eine hohe Reizschwelle haben und sich viel gefallen lassen. Solche Unfälle zeichnen sich meist lange vorher ab. Hier sollten die Behörden, wenn nötig früh, Tierhalteverbote aussprechen. Das wäre effizienter als mit einem bürokratisch aufwendigen Hundeführerschein alle Halter zu pauschalisieren.