Glosse Auch Pumuckl und Fanta verdienen einen Namenstag

Wer den Namen einer Limonade trägt, zum Beispiel „Fanta“, hat keinen Heiligen als Namenspatronen. Wir haben uns gefragt, wie die Fantas dieser Welt trotzdem Namenstag feiern könnten.
Wer den Namen einer Limonade trägt, zum Beispiel „Fanta“, hat keinen Heiligen als Namenspatronen. Wir haben uns gefragt, wie die Fantas dieser Welt trotzdem Namenstag feiern könnten. © Foto: AFP/Paul Ellis
Ulm / Lukas Wetzel 17.05.2018
Walter und Pascal haben am Donnerstag Namenstag. Aber nicht jeder kann seinen Namenstag feiern – oder doch?

Schauspieler Walter Bruce Willis (ja, der heißt wirklich so) und Ex-Handball-Star Pascal Hens haben am Donnerstag einen Grund zum Feiern: Walter und Pascal haben Namenstag. Ob sie ihn tatsächlich zelebrieren, ist eine andere Frage. Genau genommen ist der Namenstag nämlich eine unfaire Angelegenheit. Die Eltern entscheiden über die Namen ihrer Kinder – aber nicht jeder Name hat einen Patron. Also kann auch nicht jeder seinen Namenstag feiern. Was ist zum Beispiel mit Fanta, Winnetou oder Pumuckl? Diese Namen sind beim Standesamt tatsächlich durchgegangen. Die armen Kinder haben aber keinen Namenspatron, somit keinen Namenstag – eine Ungerechtigkeit, es hat doch auch jeder einen Geburtstag! Was kann man da nur machen?

Ein Katholischer Brauch

Um eine Lösung für das Problem zu finden, muss man zunächst wissen, woher das mit den Namenstagen kommt. Es ist ein typisch katholischer Brauch. Wer Namenstag feiert, gedenkt an diesem Tag des Heiligen, dessen Namen er trägt.

Zur Zeit der Gegenreformation erhöhte sich die Bedeutung des Namenstags sogar. Man wollte sich von den Protestanten abheben. Da es mehr Heilige gibt als Tage im Jahr, fallen auf einen Tag meist mehrere Namenspatrozinien – so wie bei Walter und Pascal. Der Patron von Walter ist Walter von Mondsee. Im Jahr 1145 ernannte man ihn zum Benediktinerabt. Er galt als besonders tugendsam und vorbildlich für seine Mitbrüder. Pascals Patron wiederum ist Pascal Baylon. Ab 1564 war er Laienbruder im Franziskanerorden. Er war selbstlos, bescheiden und liebevoll. Man nannte ihn deshalb auch „heiliger Hirte“.

Den frommen Fanta gibt’s wohl nicht

Nach dem frommen Fanta, dem heiligen Winnetou oder dem seligen Pumuckl muss man in der Geschichte der katholischen Kirche allerdings lange suchen. Pech gehabt Pumuckl? Nicht unbedingt! Man könnte ein wenig am Urheberrecht des Namenstags rütteln. Der Vorschlag: Die Gründung einer „Internationalen Gesellschaft für Namenstagslose“ (IGN). Dort finden sich dann alle Fantas, Winnetous und Pumuckls der Welt ein, um sich auf ein Datum für ihren jeweiligen Namenstag zu einigen – damit potentiell jeder seinen Namenstag feiern kann.

Denkbar ist auch ein „Weltweiter Namenstag der Namenstaglosen“ - einer für alle sozusagen. Das schafft Solidarität und die nötige Aufmerksamkeit für diese bemitleidenswerte Randgruppe.

Bleibt nur noch die Frage: Geben die Regisseure von Winnetou und Pumuckl und der Fanta-Gründer ihr Okay? Vielleicht hat (Walter) Bruce Willis ja Mitleid und leistet etwas Überzeugungsarbeit.

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