Glosse Wenn ein Tattoo Tatsachen schafft

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AFP PHOTO / THOMAS COEX © Foto: Thomas Coex/afp
Berlin / Günther Marx 18.05.2018

Früher war anders. Da trugen Tattoos – wir sagten damals noch Tätowierungen – allenfalls seefahrende Männer, Leute aus dem Hafenviertel oder Knackis. Gut, Maori und andere Indigene waren schon immer ein eigenes Thema. Irgendwann brach dann aber eine Welle über uns herein und alle Welt ließ sich piercen für allerlei Geklimper, selbst an intimsten Stellen, oder bunte Bilder in die Haut stechen. Auf einmal war das A….geweih der letzte Schrei.

Gerade an Letzterem aber zeigt sich, auf welch schmalem Grat Tattoo-Liebhaber wandeln, wenn sie großflächig zu Litfass-Säulen werden. Nicht alles, was da gezeigt wird, zeugt von sicherem Geschmack. Sagte da jemand Nonsens-Tattoo?

Wer Botschaften mitteilen möchte, sollte auch sicher sein, dass das ach so dekorative chinesische Schriftzeichen nicht am Ende ein uncooles, weil wenig passendes „Ente süß-sauer“ bedeutet. Sehr gut wäre es auch, wenn der Name der Geliebten auf dem Arm oder anderswo korrekt geschrieben wäre – und auch noch aktuell.

Einer schwedischen Mutter ist nun folgendes passiert. Sie hat sich die Namen ihrer Kinder tätowieren lassen, wobei aus ihrem Kevin irrtümlich ein Kelvin wurde. Bemerkt hat sie das Malheur erst, als es zu spät war. Was nun tun? Weglasern? Die Frau traf eine überraschende Entscheidung: Sie hat ihr Kind offiziell nach ihrem Tattoo umbenennen lassen. Der neue Name gefällt ihr besser.

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