Der Bürgermeister der US-Metropole Los Angeles, Eric Garcetti, ist während seiner Teilnahme an der UN-Weltklimakonferenz COP26 im schottischen Glasgow positiv auf das Coronavirus getestet worden. „Er fühlt sich gut und ist zur Selbstisolation in seinem Hotelzimmer“, hieß es am Mittwochabend in einer Mitteilung seines Büros auf Twitter. Er sei vollständig geimpft.

Corona-Infizierter Bürgermeister hat Boris Johnson und 40 weitere Politiker getroffen

Garcetti hatte noch am Morgen an einem Empfang mit dem britischen Premierminister Boris Johnson, Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon und etwa 40 weiteren Personen teilgenommen.
Eine Gesundheitsexpertin hatte sich am Mittwoch besorgt über die langen Warteschlangen bei dem Gipfel gezeigt. „Das ist wirklich besorgniserregend, ich beobachte all das sehr ängstlich, weil ich weiß, wie fragil die Situation ist“, sagte die Forscherin Devi Sridhar von der Universität Edinburgh in einem BBC-Interview.

Kritik an langen Warteschlangen bei der Weltklimakonferenz COP26

Bei der UN-Weltklimakonferenz mit mehr als 28 000 Delegierten, Beobachtern und Journalisten waren in den vergangenen Tagen am Einlass sehr lange Warteschlangen entstanden. Die Teilnehmer wurden teils im Zick-Zack-Kurs bis zu den Sicherheitsschleusen geführt. Zeitweise habe es über eine Stunde gedauert, um ins Konferenzzentrum zu gelangen, berichteten Teilnehmer.
Am Einlass des Zentrums muss täglich ein negativer Corona-Schnelltest vorgelegt werden. Vor der COP26 hatte der Gastgeber zudem eine vollständige Impfung empfohlen.


Corona und Klimaschutz: Industriestaaten wollen ärmeren Ländern helfen

Am vierten Tag der UN-Klimakonferenz in Glasgow ist die Finanzierung von Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise ins Zentrum der Verhandlungen gerückt. Großbritanniens Finanzminister Rishi Sunak bekräftigte am Mittwoch vor den Delegierten der COP26, dass die Industriestaaten künftig ihr Versprechen von jährlich 100 Milliarden Dollar (86,3 Milliarden Euro) Klimafinanzierung für ärmere Ländern einhielten. Begleitet wurde die Konferenz erneut von Protesten.
"Wir wissen, dass Sie am Boden zerstört sind wegen der doppelten Tragödie Corona und Klimawandel", sagte Sunak. "Deshalb werden wir das Ziel, 100 Milliarden Dollar an Klimafinanzierung für die Entwicklungsländer bereitzustellen, erfüllen."
Die Finanzzusage geht auf die UN-Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen zurück: Die Industriestaaten wollten ihre Klimahilfen für ärmere Länder demnach kontinuierlich steigern und ab 2020 eine jährliche Gesamtsumme von 100 Milliarden Dollar erreichen.

Klimaneutralität: Spannungen zwischen USA, Russland und China bei der COP26

Überschattet wurde die Klimakonferenz auch von diplomatischen Spannungen zwischen den USA, Russland und China. US-Präsident Joe Biden hatte am Dienstag die Abwesenheit des chinesischen Präsidenten Xi Jinping und des russischen Staatschefs Wladimir Putin bei der Konferenz scharf kritisiert. Peking und Moskau wiesen die Vorwürfe am Mittwoch zurück.
Dass der Streit eine Einigung auf ehrgeizigere Klimaziele behindern könnte, verdeutlichten Äußerungen des chinesischen Klima-Sondergesandten Xie Zhenhua. Er wies Forderungen zurück, wonach die COP26 sich auf das Ziel einigen sollte, die Erderwärmung in diesem Jahrhundert auf 1,5 Grad zu begrenzen - statt auf "deutlich unter zwei Grad", wie es das Pariser Klimaabkommen vorsieht. Eine Fokussierung auf das 1,5-Grad-Ziel bedeute, "den Konsens zwischen allen Parteien zu zerstören", warnte Xie.
Der weltweit größte Treibhausgas-Emittent China strebt Klimaneutralität bis 2060 an. Aus Sicht von Experten müsste die Welt aber schon 2050 klimaneutral sein, damit das 1,5-Grad-Ziel noch erreicht werden kann. Derzeit steuert die Erde nach UN-Angaben auf eine Erwärmung von 2,7 Grad in diesem Jahrhundert zu.
Es stehe ein "langer Weg" vor den Unterhändlern, sagte Großbritanniens Premierminister Boris Johnson am Mittwoch vor dem Parlament. "Ob wir das kollektive Wissen und den Willen beschwören können, uns selbst vor einem vermeidbaren Desaster zu retten, ist noch in der Schwebe."