Kurz nach der Geburt kam das Fieber: Die Mutter hatte dem Kleinen die Malaria schon in die Wiege gelegt. Bereits mehrfach erlebten die Mediziner im Edward-Michaud-Gesundheitszentrum in der tansanischen Millionenmetropole Daressalam diese dramatische Situation, denn bei einer Verletzung der Plazenta kann die gefährliche Tropenkrankheit auf das Kind übertragen werden. "Bislang konnten wir aber alle retten", sagt die Ärztin Magdalena Kembe.

Keine Selbstverständlichkeit: Jährlich sterben etwa 630.000 Menschen an Malaria, die meisten davon in Afrika, südlich der Sahara. Und vor allem Jungen und Mädchen unter fünf Jahren zählen zu den Opfern der von Moskitos übertragenen Infektion: Jede Minute erliegt ein kleines Kind der Malaria. Neugeborene sind zwar in der Regel in den ersten Wochen durch Antikörper der Mutter geschützt, doch auch sie kann es treffen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt die hohe Opferzahl "eine der größten Tragödien des 21. Jahrhunderts". "Meist werden die Kinder viel zu spät zu uns gebracht", sagt der Arzt Bahati Maxwell im Buguruni-Gesundheitszentrum in Daressalam. Sie haben hohes Fieber, erbrechen sich immer wieder und sind oft schon völlig geschwächt. "Und versuchen Sie einmal, die Vene eines dehydrierten Kleinkinds zu finden!"

Dabei ist Malaria heilbar, wenn sie rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Insgesamt geht die WHO von mehr als 200 Millionen Erkrankungen pro Jahr aus. Doch gerade bei den Kleinen und Schwachen ist es oft ein Wettlauf mit der Zeit. Und nicht überall ist der Zugang zu den lebensrettenden Medikamenten schnell und einfach.

"Täglich sterben 1400 Kinder an den Folgen einer Malaria-Infektion, obwohl die Behandlung nur einen Euro kostet", kritisiert das Medikamentenhilfswerk action medeor mit Sitz in Tönisvorst bei Krefeld. Zwar entwickeln sich auch Resistenzen gegen die derzeit gängigen Medikamente, doch die Bandbreite der Ausweichmöglichkeiten reicht noch aus. "Malaria ist heute kein medizinisches Problem, sondern ein Problem der Armen", erklärt Christoph Bonsmann von action-medeor.

In gewissem Rahmen ist die Parasiten-Infektion auch vermeidbar. Vor allem mit Insektiziden besprühte Moskitonetze sind ein Schlüssel zum Erfolg. So haben die deutschen Helfer am Nyassasee im Südwesten Tansanias - wie in zahlreichen anderen Projekten auch - der Krankheit mit Aufklärung und Vorbeugung den Kampf angesagt: Netze werden verteilt und Wasserpfützen trockengelegt, um die Vermehrung der Mücken zu stoppen.

Auch in mehreren Bezirken von Daressalam melden die Behörden Fortschritte dank ihrer Strategie, die Moskito-Larven in den Wasserreservoirs zu vernichten. "Wo vorher etwa die Hälfte unserer Patienten Malaria hatten, sind es jetzt noch 15 bis 25 Prozent", sagt der Arzt James Msami im Gesundheitsamt von Temeke. Große Hoffnungen setzen Mediziner auch in eine Impfung gegen die Parasiten. Das britische Unternehmen GlaxoSmithKline hat bereits eine Zulassung bei der europäischen Arzneimittelbehörde beantragt. "Der Wirkungsgrad dieser Impfung ist zwar weit entfernt von dem, was wir gewohnt sind", sagt action-medeor-Experte Bonsmann. "Aber es ist ein Durchbruch."

Bei Krankheiten wie Kinderlähmung, Mumps und Röteln wirke eine Impfung zu nahezu 100 Prozent, der Wirkungsgrad des Malaria-Impfstoffs habe hingegen in den Tests bei Kindern lediglich bis zu 50 Prozent erreicht, erklärt Bonsmann. "Doch wenn die Infektionsrate um die Hälfte gedrückt wird, ist das trotzdem ein doppelter Gewinn", betont er. "Zum einen sind die Kinder, bei denen die Impfung anschlägt, geschützt und gerettet. Zum anderen sind sie kein Zwischenwirt mehr für die Parasiten. Mit einer flächendeckenden Impfung würde der Sieg über die Malaria spürbar näher rücken."