Stuttgart / DPA

Angesichts der zunehmenden Zahl von Sexualdelikten im Land beklagt die Opferschutzorganisation Weisser Ring eine mangelhafte Betreuung der Opfer. Oft dauere es Monate, bis ein Therapieplatz für betroffene Frauen gefunden sei, kritisierte Landeschef Erwin Hetger am Montag in Stuttgart. „Seelische Verletzungen vernarben schnell und werden dann zur Dauerbelastung“, sagte Hetger. Je länger die Hilfe auf sich warten lasse, desto aufwendiger werde der Heilungsprozess. Hetger forderte ein Netz von Traumaambulanzen im Südwesten. Bislang gebe es nur sechs solcher Ambulanzen. „Das ist für ein großes Flächenland viel zu wenig.“

Nach der am Freitag veröffentlichten Kriminalstatistik ist die Zahl der Sexualdelikte im öffentlichen Raum 2018 stark angestiegen - um rund 21 Prozent auf 2673 Fälle. Das liegt nach Angaben des Innenministeriums auch an der Einführung des Straftatbestandes der sexuellen Belästigung sowie der Änderung statistischer Erfassungskriterien. „Daran lässt sich die Entwicklung allein nicht erklären“, sagte Hetger. Der Weiße Ring spüre den Anstieg der Sexualdelikte im Land. Immer mehr traumatisierte Opfer würden beim Weissen Ring aufschlagen und seien auf schnelle therapeutische Hilfe angewiesen. Das Thema sei deshalb dieses Jahr auch Schwerpunkt der Beratungstätigkeit des Vereins.