Hai Weiße Haie vor Südafrika vom Aussterben bedroht

Foto: © Davidpstephens /Fotolia.com
Foto: © Davidpstephens /Fotolia.com © Foto: © Davidpstephens /Fotolia.com Foto: © Davidpstephens - Fotolia.com
Kapstadt / ANNE GONSCHOREK 30.07.2016
Südafrikas Weiße Haie stehen vor dem Aussterben. Die Anzahl reicht nicht, um sich erfolgreich fortpflanzen zu können. Wissenschaftler sind alarmiert.

Es gibt weltweit mehr als 500 Haiarten, doch weitläufig denkt man eigentlich immer nur an einen: den großen Weißen. Das hat sicherlich auch mit Steven Spielbergs Film „Der weiße Hai“ aus dem Jahr 1975 zu tun. Die Evolutionslinie des Weißen Hais kann bis zu 14 Millionen Jahre zurückdatiert werden. Damit gehört er zu den ältesten Haiarten der Welt. Eine neue Studie von der südafrikanischen Universität Stellenbosch hat jedoch herausgefunden, dass der Weiße Hai in seinen heimatlichen Gewässern fast ausgerottet ist.

„Die Zahlen in Südafrika sind extrem niedrig“, sorgt sich Sara Andreotti von der botanischen und zoologischen Abteilung Stellenboschs. „Wenn die Situation gleichbleibt, steuern Südafrikas Weiße Haie direkt auf die Ausrottung hin“, glaubt sie. Ihre in der Zeitschrift „Marine Ecology Progress Series“ veröffentlichte Studie hat sich sechs Jahre lang mit dem Mekka der weißen Haifische beschäftigt, dem südafrikanischen Fischereiort Gansbaai. Damit ist sie die bisher größte Datensammlung in ihrem Spezialgebiet.

Es ist nämlich gar nicht so einfach, das Tier zu finden – und dann auch zu zählen. Andreotti und ihre Kollegen mussten sich auf die Expertise und die Unterstützung des Haiverhaltensexperten Michael Rutzen verlassen. Der Leiter von Shark Diving Unlimited taucht bereits seit 15 Jahren mit den gefürchteten Tieren und ist vor Ort als „Hai-Mann“ bekannt. „Wenn du Weiße Haie zählen willst, brauchst du ein Boot mit einer Mannschaft und jemanden, der weiß, wo und wie sie zu finden sind“, erklärt Andreotti.

Die Mannschaft von Rutzen musste sicherstellen, dass die Tiere nahe genug an das Boot herankamen, um deutliche Bilder der Rückenflossen zu machen und eine Biopsie für genetische Untersuchungen vornehmen zu können. Die verschiedenen Dellen und Einkerbungen in den Rückenflossen der Weißen Haie dienen dabei quasi als Fingerabdruck, dank dem Andreotti die Fische auseinanderhalten konnte. Dafür musste sie aber die Daten per Hand in eine Datenbank eingeben.

Mit dieser Such- und Detailarbeit waren Andreotti und Rutzen sechs Jahre lang beschäftigt. Allein so schafften sie es, zwischen 2009 und 2011 fast 5000 Fotos von Weißen Haien in Gansbaai zu schießen. Nachdem sie Hunderte verschiedene Tiere gefunden und dokumentiert hatten, wurde es allerdings auf einmal schwer, neue Tiere zu fotografieren.

Die genetische Studie zeigte, dass die sich fortpflanzende südafrikanische Population des Weißen Hais nur noch 333 Tiere besaß. Vorherige Untersuchungen bei anderen Spezies haben aber gezeigt, dass eine Population mindestens 500 Tiere braucht, um zu überleben. „Zusammen mit den Fotos und der Anzahl der erwachsenen Tiere sind wir zu der Schlussfolgerung gekommen, dass ihre Anzahl bereits zu gering sein könnte, um ihr Überleben zu sichern“, sagt Andreotti.

Dafür könnten unter anderem Hainetze, Umweltverschmutzung, Überfischung und Wilderei für Trophäen verantwortlich sein. „Junge Weiße Haie ernähren sich vor allem von grätenreichen Fischen und kleineren, kommerziell gefischten Knorpelfischen“, sagt Andreotti. Bisher wisse man allerdings zu wenig über die Mindestmengen, die ältere und damit größere Haie vertilgen müssten. Daher könnten die Forscher dem Fischereimanagement nicht entsprechende Daten für verbesserte Regulierungen vorlegen.

Der große Raubfisch hat außer dem Menschen selbst keine natürlichen Feinde und hält das sensible ökologische Gleichgewicht aufrecht. Weniger Haie bedeuten mehr Seehunde, die wiederum weniger Fische, was schlussendlich den Untergang der Fischerei bedeuten würde. „Wir müssen die Studie auf internationalem Niveau wiederholen und die Techniken für die Datensammlung standardisieren“, glaubt Haitaucher Rutzen. „Während jeder nur für sich arbeitet, könnte der König des Ozeans längst vor dem Aussterben stehen.“

Fernsehstar

Filme Weltweit populär gemacht hat den Weißen Hai sicherlich Steven Spielberg mit seinen gleichnamigen Filmen über Haiangriffe. Der erste lief im Jahr 1975 und begründete mit dem zwei Jahre später erschienenen „Krieg der Sterne“ die Ära des Blockbuster-Kinos in Hollywood. Der Weiße Hai, Jaws im Original, und seine direkten Nachfolger begründeten zudem eine Serie von Tierhorror-Filmen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel