Unter Strom Weihnachtshäuser knipsen die Lichter an

Berlin / Von Anja Garms, dpa 03.12.2018

Leuchtende Deko gehört heute zur Adventszeit wie Kerzen und Plätzchen. An einigen Orten Deutschlands gehen die Lichter ganz besonders hell an: Weihnachtsfans verlegen Kilometer von Lichterketten im Vorgarten, bringen Tausende Lämpchen an der Hausfassade an oder wuchten leuchtende Rentiere aufs Hausdach.

Mit Glühwein und Keksen locken sie manchmal auch Besucher an, die staunend oder kopfschüttelnd vor der Pracht stehen. Bestenfalls hinterlassen sie eine Spende für Stromkosten oder einen guten Zweck. Hier einige Beispiele bekannter Weihnachtshäuser:

BRANDENBURG

Schon Wochen vor dem ersten Advent sind Harald und Gabriele Muschner aus dem brandenburgischen Berkenbrück im Weihnachtsstress. Ihr 800 Quadratmeter großer Vorgarten und die Hausfassade werden mit rund 15 000 Lichtern geschmückt. „Die richtige Kombination aus Lichterketten und Leuchtfiguren machen den Zauber“, sagt die 51-jährige Hausherrin. Bereits seit 15 Jahren gestalten die Muschners ihr Zuhause mit blinkenden, glitzernden, funkelnden Weihnachtsdekorationen. Figuren, Lichternetze und Leuchtdekorationen werden jedes Jahr neu angeordnet - und es kommt auch immer etwas Neues hinzu. Mit ihrem bunten Weihnachtswunderland sind die Muschners zu einer Attraktion in der Region geworden. An den Adventswochenenden ziehen sich lange Autoschlangen langsam an dem Grundstück vorbei, zum Leidwesen der Nachbarn.

BAYERN

Seit der Geburt ihres Sohnes ist Familie Erdle mit dem Weihnachtsvirus infiziert. „Wir haben zuerst nur die Wohnung zum ersten gemeinsamen Weihnachtsfest geschmückt. Und dann hat sich das im Laufe der Jahre vermehrt und ist explodiert“, sagt Angelika Erdle über ihr Hobby. Mindestens 50 000 Lichter, rund 40 durch Luft aufgeblasene Figuren, etwa 200 Hartplastikfiguren, eine Rentierherde mit 15 Tieren - bei den Erdles im Garten in Veitshöchheim bei Würzburg ist seit 26 Jahren ordentlich was los. Selbstgebackene Plätzchen und Glühwein gibt es für die Gäste jeden Abend im Garten - sechs Wochen lang und umsonst oder gegen eine Spende.

In Mainbernheim - ebenfalls bei Würzburg - hat Rosa Krämer vor mehr als zehn Jahren ihr Häuschen erstmals mit tausenden Lichtern ausgestattet und Hof, Garten, Dach und Mauer geschmückt. Spenden für Glühwein und Lebkuchen gehen nach Abzug ihrer Unkosten für die Betreuung schwerkranker Kinder an die Uniklinik Würzburg.

THÜRINGEN

Seit zwölf Jahren schmückt Mario Leicht aus dem thüringischen Walschleben jedes Weihnachten sein Familienhaus. Dieses Jahr seien es wohl 130 000 Lichtpunkte und sechs Kilometer Lichterketten und -schläuche. Seit Mitte Oktober war er mit dem Aufbau beschäftigt. „Täglich bis zu vier Stunden“, sagt Leicht. Auf etwa 7500 Euro an Materialkosten schätzt er seine bisherigen Kosten. Die Stromrechnung mache ihm in diesem Jahr aber nicht mehr wirklich etwas aus: „Ich habe jetzt eine Solaranlage und bin autark.“

NIEDERSACHSEN

Pünktlich am 1. Advent gingen am Haus von Martina und Sven Borchart in Delmenhorst die Lichter an. Etwa 55 000 sind es in diesem Jahr, die mit vier separaten 16-Ampere-Leitungen versorgt werden. „Angefangen haben wir 2002 mit fünf Lichterketten“, erinnert sich das Paar. „Dann hat das so eine Dynamik bekommen.“ Auf dem Dach der Garage steht eine große selbstgebaute Krippe, auf dem Hausdach ein leuchtender Engel mit Blasinstrument. Erstmals gibt es in diesem Jahr bewegte Deko: Eine etwa 2,75 Meter große Weihnachtspyramide. An einigen Tagen steht eine Spendenbüchse vor dem Weihnachtshaus. Mit dem Erlös unterstützen die Borcharts heiltherapeutisches Reiten für behinderte Kinder in Delmenhorst.

Im Garten von Wilhelm Balke im kleinen Hellendorf in der Gemeinde Wedemark in der Region Hannover ziehen leuchtende Rentiere den Weihnachtsschlitten und auch das Haus selbst erstrahlt in hellem Glanz. „Die Kinder fragen schon immer, wann es wieder leuchtet“, sagt Balke. Die Lichterketten verbrauchen rund 3000 Kilowatt Strom - fast so viel wie ein Pärchenhaushalt in einem Jahr. Gut 600 Euro koste ihn das, „trotz LEDs“.

SACHSEN

Kurz vor dem ersten Advent verwandeln sich Haus und Garten von Rüdiger Browatzke aus dem sächsischen Städtchen Großröhrsdorf bei Bautzen in eine zauberhafte Märchenwelt. „Jedes Jahr kommt ein anderes Märchen dran“, berichtet Browatzke. „In diesem Jahr habe ich mir das Thema Cinderella ausgesucht.“ Die Kürbiskutsche, die von mehreren Mäusen gezogen wird, hat er selbst gebastelt - seine Frau die Figuren angemalt. Um die Jahrtausendwende war Browatzke in den USA und hat sich dort von den weihnachtlich geschmückten Häusern inspirieren lassen. „Ich wollte es aber nicht ganz so bunt und flackernd, schließlich soll es ja auch nicht die Nachbarn stören“, sagt der 62-Jährige. Vor dem mit Lichterketten geschmückten Haus leuchten zudem ganz klassisch Rentiere, Schnee- und Weihnachtsmänner.

Infos zum Weihnachtshaus Veitshöchheim

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