Technik Warten statt Urlaub

Warten vor dem Terminal 1: Flugreisende hoffen da noch auf das Ende des Stromausfalls im Hamburg Airport.  
Warten vor dem Terminal 1: Flugreisende hoffen da noch auf das Ende des Stromausfalls im Hamburg Airport.   © Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Hamburg / Thomas Müller und Almut Kipp, dpa 04.06.2018
Ein Stromausfall legt den Hamburger Flughafen lahm. Die dunklen Terminalhallen werden evakuiert, die Passagiere warten draußen oder nehmen die Bahn. Am späten Nachmittag wird klar: Am Sonntag geht nichts mehr.

Kein Venedig, kein Barcelona, kein Mallorca: Anstatt zu ihren Urlaubszielen aufzubrechen, sind tausende Passagiere gestern am Hamburger Flughafen gestrandet. Nach einem Stromausfall kurz vor 10 Uhr ging nichts mehr. Beide Terminals wurden dunkel und aus Sicherheitsgründen geräumt, die Reisenden warteten vorm Gebäude oder in der hellen Abflughalle auf das Ende der Panne oder fuhren mit der Bahn. Um 16.30 Uhr wurde der Betrieb komplett eingestellt.

Zunächst war Geduld gefragt, die Verärgerung mancher Wartenden nahm zu: „Ich begreife nicht, warum alle Leute raus müssen, um dann später wieder durch die Kontrolle zu gehen“, sagte ein Passagier mit Reiseziel Malta. Jenny Webber wollte eigentlich nach Kopenhagen fliegen. Weil ihr Gepäck bereits eingecheckt war, musste auch sie warten. „Sonst hätte ich jetzt den Zug genommen.“

Den Stromausfall hatten die auf ihren Abflug wartenden Passagiere bemerkt, als es im Terminal 2 dunkel wurde. Zuvor waren Brandschutztüren zugegangen, in Gängen und Geschäften fiel das Licht aus.

Vor den Schaltern bildeten sich lange Schlangen. Als die Luft drinnen schlechter wurde, verteilten Flughafen-Mitarbeiter Wasserflaschen, dann kam die Durchsage: „Bitte verlassen Sie das Terminal!“ Zunächst gingen alle ins benachbarte Terminal 1; das aber musste – ebenfalls infolge des Stromausfalls – bald danach geräumt werden.

Informationen fließen spärlich

Ob draußen oder in der Ankunftshalle: Alle hofften auf Angaben darüber, was los ist und wie es weitergeht. „Das geht so nicht!“, klagte eine Frau über den spärlichen Informationsfluss.

Die Internetseite des Flughafens war überlastet. Ging sie doch auf, hieß es zum Stromausfall: „Bitte wenden sie sich an Ihre Fluggesellschaft.“

Versuche, die Fluggesellschaften telefonisch zu errreichen, endeten für manche in der Warteschleife. Andere wurden damit vertröstet, dass der gebuchte Flug noch nicht komplett abgesagt sei.

Die meisten verhinderten Passagiere harrten geduldig aus – in gespannter Erwartung, wie ein Augenzeuge sagte. Immer wieder gingen die Blicke zu den Anzeigetafeln, doch die Angaben „verspätet“ oder „cancelled“ machten wenig Hoffnung. „Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung und informieren, sobald es Neuigkeiten gibt!“, twitterte der Flughafen.

Besonderes Pech hatte ein Ehepaar aus Osnabrück. Als es frühmorgens am Flughafen angekommen war, war sein Morgenflug nach Venedig um 7.30 Uhr gestrichen – noch bevor der Strom ausfiel. Das Paar buchte am Flughafen für 520 Euro einen Ersatzflug nach Italien mit einer anderen Airline. Und dann kam der Stromausfall und auch dieser Flug fiel aus.

Ankommende Flüge wichen auf andere Flughäfen aus, unter anderem auf Hannover. Die Möglichkeit, von anderen Flughäfen abzufliegen, stand den Gestrandeten in der Regel nicht zur Verfügung. Denen, deren Gepäck schon eingecheckt war, sowieso nicht, weil die Gepäckausgabe nur mit Strom funktioniert.

Der Flughafen in Zahlen und Fakten

Hamburg Airport „Helmut Schmidt“ heißt der internationale Flughafen von Hamburg. Er ist der fünftgrößte Flughafen Deutschlands und hatte im Januar 1912 den Betrieb aufgenommen. Seit den 60er Jahren gab es die Überlegung, ihn durch einen neuen norddeutschen Großflughafen 37 Kilometer weiter nördlich bei Kaltenkirchen zu ersetzen, diese sind aber seit 2013 vom Tisch.

Im Jahr 2017 hat der Flughafen 17 622 997 Fluggäste verzeichnet. Es gab 159 780 Starts und Landungen. Rund 15 000 Menschen sind am Flughafen beschäftigt, davon mehr als die Hälfte bei den Fluggesellschaften.

Einen Zwischenfall hat es am 12. Februar dieses Jahres gegeben: Die Klimaanlage setzte bei den Sicherheitskontrollen Reizgas frei. 68 Menschen wurden verletzt, neun von ihnen in Krankenhäuser gebracht. Die Polizei vermutet, dass jemand den Inhalt einer Pfefferspraydose versprüht hat. swp

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Starts und Landungen sind gestern in Hamburg ausgefallen.

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