Glosse Warn-Ampel für Literatur?

 In einer Buchhandlung in Kassel liegen am Montag (03.09.2012) verschiedene neue Ausgaben von Grimms Märchen. Vor 200 Jahren erschienen die «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm zum ersten Mal. Zum Jubiläum stapeln sich in den Buchhandlungen neu illustrierte Geschichten und Sonderausgaben. Foto: Uwe Zucchi dpa (zu dpa-Literaturdienst vom 04.09.2012)  +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
In einer Buchhandlung in Kassel liegen am Montag (03.09.2012) verschiedene neue Ausgaben von Grimms Märchen. Vor 200 Jahren erschienen die «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm zum ersten Mal. Zum Jubiläum stapeln sich in den Buchhandlungen neu illustrierte Geschichten und Sonderausgaben. Foto: Uwe Zucchi dpa (zu dpa-Literaturdienst vom 04.09.2012) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit © Foto: Uwe Zucchi/dpa
Berlin / Thomas Block 07.08.2018

Die besten Horrorgeschichten stehen im Bücherregal der Kinderzimmer, irgendwo zwischen „Pippi Langstrumpf“ und „Häschen Hoppel“. Grimms Märchen, Kapitel 62: In der Geschichte Blaubart geht es um einen vermögenden Mann, der die Angewohnheit hat, seine Frauen zu köpfen und ihre Leichen im Keller aufzubewahren. Am Ende wird er in einem atemberaubenden Showdown von seinen Schwägern getötet. In der Grimm’schen Märchenwelt wird nicht lange gefackelt, da wird gemordet, was das Zeug hält.

Hierzulande läuft das unter  der Rubrik „Klassiker der Kinderliteratur“. Deutsche Kinder sind hart im Nehmen, die können so etwas ab. Anders als Studenten der Cambridge Universität. Die haben nun gefordert, dass blutrünstige Texte, also nicht nur alle Märchen der Gebrüder Grimm, sondern auch fast alle Tragödien von Shakespeare, mit Warnhinweisen versehen werden. Offensichtlich ist man an britischen Elite-Unis etwas zarter besaitet.

Aber nun gut. Auf Lebensmittelverpackungen steht ja schließlich auch, wie viel Zucker, Fett, Geschmacksverstärker enthalten ist. Da kann man auf Buchdeckel von Märchensammlungen auch ruhig den Satz „Kann Spuren von bestialischer Gewalt enthalten“ schreiben. Oder man arbeitet gleich an einer Literatur-Ampel. Wären mehr Bücher deutlicher als „nicht lesenswert“ markiert, würde einem auch viel Leid erspart.

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