Verschollene Personen Wann Vermisste für tot erklärt werden können

Polizisten suchen in einem Wald nach einer Leiche.
Polizisten suchen in einem Wald nach einer Leiche. © Foto: Bodo Marks/dpa
Ulm / Moritz Clauß 11.09.2018
Die Überlebenschancen des vermissten Daniel Kaiser-Küblböck sind gering. Einen Vermissten für tot zu erklären, ist aber gar nicht so einfach.

Das Meerwasser, in das Daniel Kaiser-Küblböck gestürzt ist, ist 10,5 Grad kalt. Bei dieser geringen Wassertemperatur ist seine Überlebenschance nur gering. Solange keine Leiche gefunden wird, gilt Kaiser-Küblböck aber erst einmal als verschollen und nicht als tot.

In der Regel kann ein Verschollener erst zehn Jahre nach seinem Verschwinden für tot erklärt werden. So legt es das im Jahr 1939 verabschiedete Verschollenheitsgesetz fest. Es gibt jedoch zahlreiche Sonderregeln.

Wer jünger als 25 Jahre und verschollen ist, kann beispielsweise gar nicht für tot erklärt werden. Wer 80 Jahre oder älter ist, bereits nach fünf statt zehn Jahren. Menschen, die wie Kaiser-Küblböck auf hoher See verschollen sind, kann das zuständige Amtsgericht bereits nach einem halben Jahr für tot erklären.

Die meisten werden gefunden

Hierfür ist ein Antrag notwendig, den nicht jeder stellen darf. Dazu berechtigt sind zum Beispiel die Staatsanwaltschaft, der Ehegatte, der Lebenspartner oder die Eltern des Verschollenen. „Das ist ein sehr seltenes Verfahren“, erklärt Anita Meyer vom Amtsgericht Ulm. In den vergangenen zwei Jahren habe es in Ulm nur einen einzigen entsprechenden Antrag gegeben.

Kein Wunder: Das Bundeskriminalamt gibt an, dass die Hälfte aller Vermisstenfälle innerhalb der ersten Woche gelöst wird. Das heißt, der Vermisste wird tot oder lebendig gefunden. Nach einem Monat liegt die Quote bereits bei 80 Prozent, nach einem Jahr bei 97 Prozent.

Will man am Ende tatsächlich eine Todeserklärung beantragen, dann müssen begründete Zweifel daran bestehen, dass die Person noch lebt. Wenn der Vermisste beispielsweise im Alter von 30 Jahren ausgewandert ist und den Kontakt zu Freunden und Familie abgebrochen hat, wird er auch nach zehn Jahren nicht für tot erklärt.

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