Waldbrände bei Berlin Sensationstourismus befürchtet – Brand in Jüterbog breitet sich aus

Noch immer sind etwa 240 Einsatzkräfte in Treuenbrietzen vor Ort, um letzte Glutnester zu löschen.
Noch immer sind etwa 240 Einsatzkräfte in Treuenbrietzen vor Ort, um letzte Glutnester zu löschen. © Foto: dpa
Berlin / dpa / swp 27.08.2018

+++ Montag, 27. August 2018 +++

In Treuenbrietzen ist die Zahl der Einsatzkräfte im Verlauf des Tages reduziert worden. Zuletzt waren noch etwa 240 Einsatzkräfte vor Ort, um letzte Glutnester zu löschen. Die Hubschrauber von Bundeswehr und Bundespolizei sind zwischenzeitlich abgezogen. Über die Tage zusammengerechnet hätten mehr als 3000 Helfer gegen die Flammen angekämpft, sagte die Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark, Andrea Metzler.

In den Wäldern besteht Lebensgefahr

Der Landkreis befürchtet nun, dass Sensationstouristen in die verkohlten Wälder strömen könnten.

„Wir warnen ganz dringend vor dem Betreten der Wälder“, sagte Metzler. Es gebe Munitionsreste im Boden, zudem könnten angebrannte Bäume plötzlich umfallen.

„Heute Nacht kam es während der Löscharbeiten zu Explosionen in den munitionsbelasteten Bereichen des Waldes“, twitterte auch die Polizei. „Zum Glück wurde hierbei keiner der Einsatzkräfte verletzt!“ In dem Einsatzgebiet sind wichtige Straßen zwar von der Polizei gesperrt, die vielen kleineren Waldwege können aber nicht immer überwacht werden.

Brand bei Jüterbog breitet sich aus

Unterdessen breitete sich nur wenige Kilometer entfernt von den geretteten Dörfern im Nachbarlandkreis Teltow-Fläming ein am Sonntag entdeckter Brand auf dem ehemaligen Schießplatz bei Jüterbog weiter aus. Inzwischen seien mehr als 240 Hektar betroffen, erklärte die Sprecherin der Stadt Jüterbog, Kathrin Burghardt. Derzeit seien drei Tanklöschfahrzeuge vor Ort, hieß es am Mittag. Weitere Kräfte seien angefordert. Auf dem Gelände hatte es auch schon vergangene Woche gebrannt.

Auch der neue Brand bei Jüterbog sei vermutlich an mehreren Stellen gleichzeitig ausgebrochen, sagte die Stadtsprecherin.

Verdacht auf Brandstiftung hat sich nicht erhärtet

Beim Brand in Treuenbrietzen, der ebenfalls an mehreren Stellen ausgebrochen war, gab es einen Verdacht auf Brandstiftung, der sich laut Polizei aber nicht erhärtete. „Wir haben keine objektiven Befunde, die eine vorsätzlich verursachte Brandlegung in den Wäldern von Treuenbrietzen bestätigen“, sagte der Polizeisprecher Heiko Schmidt. „Wir ermitteln weiter in alle Richtungen.“

Die Kosten der Löscharbeiten für den Landkreis Potsdam-Mittelmark, etwa für Sprit, schätzte eine Sprecherin auf etwa zwei Millionen Euro. Sie hoffe, dass das Land die Kommune deshalb unterstütze.

Am Morgen erneut Kräfte angefordert

Die Löscharbeiten in den Wäldern südwestlich von Berlin dauern auch zu Wochenbeginn an. „Wir haben noch einmal viele Kräfte angefordert“, sagte eine Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark in der Nacht zum Montag. Sie rechne damit, dass der riesige Waldbrand vor den Toren der Hauptstadt die Feuerwehren noch gut eine Woche beschäftigen werde. „Leider ist kein Regen in Sicht.“ Nach ihren Angaben flammt das Feuer immer wieder auf. „Wir haben noch jede Menge Glutnester.“

Der Waldbrand ist Experten zufolge der größte in Brandenburg seit vielen Jahren. Mindestens seit dem Jahr 2000 habe es in Brandenburg keinen Waldbrand auf 400 Hektar wie den in Treuenbrietzen gegeben, sagte der Waldbrandschutzbeauftragte, Raimund Engel. Das Feuer erinnere an große Feuer in der Zeit Anfang der 1990er.

+++ Sonntag, 26. August 2018 +++

Brandenburgs Feuerwehr kommt nicht zur Ruhe. Am Sonntag flammte ein weiteres Feuer erneut auf. Am Abend brannten etwa 240 Hektar Wald auf einem ehemaligen Schießplatz bei Jüterbog, wie das Ordnungsamt der Stadt im Landkreis Teltow-Fläming mitteilte.

Das Feuer habe sich schnell ausgebreitet. Der Brandort befindet sich nach Angaben der Stadt „ganz in der Nähe“ des Großbrandes bei Treuenbrietzen – südlich von Berlin.

Unterstützung durch Bundeswehr

In der Nacht zu Sonntag traf Unterstützung von der Bundeswehr ein. Ein Pionierpanzer solle Schneisen in den Wald bei Treuenbrietzen brechen. Damit könne die Feuerwehr näher an die letzten Glutnester herankommen, erklärte Landesinnenminister Karl-Heinz Schröter (SPD). Rund 400 Einsatzkräfte waren am Abend noch im Einsatz.

Drei Tage nach Ausbruch des Waldbrands vor den Toren Berlins hat die Feuerwehr die Flammen unter Kontrolle, die Glutnester aber noch nicht komplett gelöscht.

„Wir haben die Lage soweit im Griff.“, sagte Vize-Landrat Christian Stein (CDU). Das rund 400 Hektar große Gebiet sei „sicher eingekreist“. Wegen vieler Glutnester könne aber noch keine Entwarnung gegeben werden.

Insgesamt hatten die Waldbrände in Brandenburg am Freitagabend noch immer auf einer Fläche von 300 Hektar gewütet. Dies berichtet die Polizei auf Twitter. Das großflächige Feuer südwestlich von Berlin ist den Behörden zufolge zwar eingedämmt, aber noch nicht unter Kontrolle.

+++ Samstag, 25. August 2018 +++

„Die Lage ist stabil“, sagte der Vize-Landrat von Potsdam-Mittelmark, Christian Stein (CDU) am Samstag. Der Brand breite sich nicht weiter aus. Entwarnung könne man jedoch noch nicht geben, so Stein weiter. Wenn sich die Witterung stark ändere, könnten die Flammen wieder auflodern.

Brandgeruch bis Berlin Mitte

Auch am Samstagmorgen zog ein beißender Brandgeruch bis in die Mitte Berlins. Viele besorgte Bürger riefen bei der Feuerwehr an und fragten, ob es in ihrer Nachbarschaft brennen würde, wie der Schichtführer der Regionalleitstelle Brandenburg, Heiko Anderts berichtete.

+++ Freitag, 24. August 2018 +++

Der Vize-Landrat von Potsdam-Mittelmark, Christian Stein (CDU), äußerte angesichts des gleichzeitigen Ausbruchs an drei Stellen bei Treuenbrietzen den Verdacht, der Brand könnte gelegt worden sein. Aus dem Innenministerium hieß es jedoch, man habe keinerlei Erkenntnisse zur Brandursache. Es könne nichts ausgeschlossen werden.

Erste Bewohner, die wegen des verheerenden Waldbrands im Südwesten Brandenburgs ihre Häuser verlassen mussten, können zurück nach Hause. Die Evakuierung von Frohnsdorf werde am Mittag aufgehoben, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bei einem Besuch am Einsatzort. Über die Evakuierung der beiden anderen Orte werde am Nachmittag entschieden. «Hier muss ich die Menschen um Geduld bitten», sagte Woidke. Am Donnerstagabend hatten rund 500 Menschen ihre Häuser verlassen müssen. Zeitweise durften die Einwohner der geräumten Dörfer Klausdorf und Tiefenbrunnen ihre Häuser betreten, um persönliche Sachen zu holen und ihre Tiere zu versorgen.

Später prüften Polizei und Ordnungsamt, ob alle Menschen den Gefahrenbereich wieder verlassen hatten. Die beiden Dörfer in Brandenburg sollten bis mindestens Samstag evakuiert bleiben.

Nach Einschätzung von Woidke wird der Einsatz noch längere Zeit dauern. «Es kann sich um Tage handeln». Bislang haben man alle Häuser schützen können. Allerdings: «Große Sorge macht der Wind.»

Am Freitag kämpften rund 600 Helfer gegen die Flammen bei Treuenbrietzen. Unterstützung gab es unter anderem auch von der Feuerwehr aus Sachsen-Anhalt.

Rauchschwaden zogen über Berlin

Wegen eines riesigen Waldbrandes sind am Freitagmorgen Rauchschwaden über die Hauptstadt gezogen. Ganze Straßenzüge seien verraucht, sagte ein Feuerwehrsprecher. „Stinken ist tatsächlich eine gute Beschreibung.“ Eine Sprecherin des DWD erklärte am Freitag, es könne in der Nacht zu Samstag aber erneut zu einer Rauchbelastung in Berlin kommen.

Der Brand wütet in einem Gebiet südwestlich von Berlin. Betroffen sind Gegenden der Landkreise Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming.

Südwestwind hatte die Rauchschwaden in der Nacht nach Berlin hineingetragen, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Allerdings dürfte der Wind im Laufe des Vormittags drehen und der Rauch werde damit voraussichtlich wieder aus der Stadt abziehen. Franziska Schmidt, die im Berliner Stadtteil Adlershof wohnt, bestätigt diese Einschätzung gegenüber unserer Zeitung: „Gestern Abend war deutlicher Feuergeruch in der Luft“, sagt sie. Dann hätte leichter Regen eingesetzt. „Heute Morgen war hier nichts mehr zu merken.“

Vor dem aktuellen großen Waldbrand bei Treuenbrietzen hat es in Brandenburgs Wäldern in diesem Jahr mehr als 400 Mal gebrannt. Zuletzt Ende Juli brannten in der Region große Waldflächen:

Viele Notrufe eingegangen

Am Morgen waren laut Feuerwehr weite Teile der Stadt betroffen. „Es ist in der gesamten Stadt zu riechen.“ Die Bewohner sollten Fenster und Türen geschlossen halten. Außerdem sollten Lüftungsanlagen kontrolliert werden. Am Donnerstagabend waren zunächst lediglich die südöstlichen Stadtteile betroffen gewesen.

Es seien bereits viele besorgte Anrufe bei den Leitstellen eingegangen, sagte der Sprecher. In Spitzenzeiten seien es bis zu 50 Notrufe gewesen, die hätten abgearbeitet werden müssen. „Sie überfluten damit unsere Notrufleitungen.“

Drei Dörfer evakuiert

Aufgrund des Großbrandes in Brandenburg hatten dort am Donnerstagabend rund 600 Menschen ihre Häuser verlassen müssen. Die Dörfer Frohnsdorf, Klausdorf und Tiefenbrunnen südlich von Potsdam wurden evakuiert. Die Betroffenen wurden aufgefordert, nur das Wichtigste wie Dokumente und Medikamente mitzunehmen und sich über alle verfügbaren Medien auf dem Laufenden zu halten. Es brannte eine Fläche so groß wie 400 Fußballfelder. Rund 300 Einsatzkräfte waren im Einsatz, wie der Vize-Landrat von Potsdam-Mittelmark, Christian Stein (CDU), am Donnerstagabend sagte.

Feuerwehr auf Luftunterstützung angewiesen

Die Löscharbeiten dauern am Freitag weiter an. Nach einer kurzen Unterbrechung nahmen die Löschhubschrauber ihren Einsatz wieder auf. „Unser Hauptziel ist weiter, die evakuierten Ortschaften vor den Flammen zu schützen“, sagte der Vize-Landrat von Potsdam-Mittelmark, Christian Stein (CDU), am Freitagmorgen. „Noch ist der Brand nicht zurückgedrängt, aber es ist kein Gebäude in Mitleidenschaft gezogen worden.“

Wegen der Munitionsreste im Waldboden ist die Feuerwehr auf die Luftunterstützung angewiesen – die Einsatzkräfte können sich nicht gefahrlos frei im Gelände bewegen, sondern lediglich von Wegen aus agieren. „Ich hoffe, dass das Wetter mitspielt und der Wind nicht wieder auffrischt“, sagte Stein. „Wir warten sehnsüchtig auf Regen.“

THW fordert Löschflugzeuge für Deutschland

Angesichts der schweren Waldbrände in Brandenburg häufen sich die Forderungen nach Löschflugzeugen. «Ich gehe davon aus, dass wir auch in Deutschland den Einsatz von Löschflugzeugen brauchen», sagte der Präsident des Technischen Hilfswerks (THW), Albrecht Broemme, am Freitag im rbb-Inforadio. Broemme sprach sich für ein europäisches Vorgehen aus. Auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Christoph Hoffmann erklärte: «Sinnvoll wäre eine Flotte an Groß- und Kleinlöschflugzeugen für Europa.» Er schlug Deutschland mit seiner zentralen Lage als Standort vor.

Regen nur vereinzelt zu erwarten

In der von dem Großbrand betroffenen Region ist am Freitag laut DWD nur vereinzelt mit Regen zu rechnen. Es sei unklar, wo genau es zu Schauern und Gewittern komme, sagte der DWD-Meteorologe.

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