Südeuropa kommt nicht zur Ruhe: Auch zum Wochenstart kämpfen Einsatzkräfte in mehreren Urlaubsländern gegen Waldbrände, die durch die Rekordhitze begünstigt werden. Zumindest in Frankreich und Spanien entspannte sich die Lage etwas. Anders sieht die Situation in Griechenland aus: In dem schwer von Waldbränden getroffenen Land haben drei große Waldbrände auch am Dienstag, 26.07.2022 die Feuerwehrleute in Atem gehalten. Die Gefahr für weitere Feuer ist noch immer groß. Für Dienstag sprach die Feuerwehr erneut von einem „sehr hohen Waldbrandrisiko“ für Athen und Umgebung sowie die Insel Euböa und die Inseln der östlichen Ägäis. Die Hitzewelle in Griechenland könnte noch mehrere Tage andauern.Waldbrände: Wie ist die aktuelle Lage in Griechenland?
  • Lesbos, Kreta, Kos und Korfu: Welche Inseln sind betroffen?
  • Wie steht es um Brände in Athen?
  • Musste Griechenland bereits 2021 mit Waldbränden kämpfen?

Aktuell wüten in Griechenland schwere Waldbrände

In Griechenland haben große Waldbrände nach dem Wochenende auch zu Wochenbeginn weiter gewütet. In der vergangenen Woche registrierte die Feuerwehr täglich mehr als hundert Brandherde. Allein in den vergangenen 24 Stunden sind in Griechenland der nationalen Brandschutzbehörde zufolge fast 60 weitere Waldbrände ausgebrochen. Mehrere Dörfer wurden bereits evakuiert. Griechenland leidet seit Tagen unter einer Hitzewelle. In der vergangenen Woche waren die Temperaturen im Land auf bis zu 42 Grad angestiegen. Zu Wochenbeginn sanken sie leicht. Landesweit sollen dem Zivilschutz zufolge aktuell so gut wie alle verfügbaren Löschhubschrauber und -flugzeuge im Einsatz sein.

Brände in Griechenland haben schon mehr als 6600 Hektar zerstört

Die Brände, die in Griechenland toben, haben bereits mehr als 6600 Hektar Wald und Fläche zerstört. Das ergaben Berechnungen und Karten von Forst- und Waldbrandexperten, wie die griechische Nachrichtenagentur ANA am Montag berichtete. Demnach hat der Waldbrand im Südteil der Insel Lesbos, der am Montag, 25.7.2022, immer noch nicht unter Kontrolle war, bereits rund 1700 Hektar vernichtet. Der Brand, der weiter im Nordosten im Nationalpark Dadia tobte, soll bisher mehr als 2500 Hektar zerstört haben. Das mittlerweile gelöschte Feuer im Norden Athens vergangene Woche legte demnach rund 2400 Hektar in Schutt und Asche.

Sebnitz/Bad Schandau

Das Risiko für einen Waldbrand ist in Griechenland sehr hoch

Ein Ende der Brände in Griechenland ist nicht abzusehen. Trockenheit und die vorherrschende Hitze würden in den kommenden Tagen fast alle Landesteile Griechenlands heimsuchen und „die perfekte Kulisse“ für weitere Brände schaffen, warnten Meteorologen im Rundfunk. Für Dienstag, 26.07.2022, sprach die Feuerwehr erneut von einem „sehr hohen Waldbrandrisiko“ für Athen und Umgebung sowie die Insel Euböa und die Inseln der östlichen Ägäis. In weiten Teilen des Landes herrsche zudem ein „hohes Waldbrandrisiko“. Doch auch im Rest des Landes ist die Gefahr „hoch“. In manchen Gegenden kommt starker Wind hinzu, der Brandherde anheizt.

Waldbrände wüten auf griechischer Insel Lesbos

Die gewaltigen Brände auf Lesbos wüten weiter. Im Südteil der Insel, wo es seit Samstag brennt, herrschte so starker Wind, dass die Brandherde immer wieder angeheizt wurden. Die Bewohner des Dorfes Vrisa auf der Südseite wurden dazu aufgerufen, die Ortschaft zu verlassen. Häuser und Autos fielen den Flammen zum Opfer. Auf Lesbos war die Rauchentwicklung so stark, dass sie vom Weltall aus zu sehen war. Das teilte das europäische Erdbeobachtungssystem Copernicus auf Twitter mit und postete ein entsprechendes Satellitenbild. Auf der Insel wurden hunderte Menschen in Sicherheit gebracht, nach Angaben des staatlichen TV-Senders ERT brannten im Ort Vatera mindestens vier Häuser nieder.
Nach Angaben des Bürgermeisters von West-Lesbos im Radiosender Skai näherten sich die Flammen den Wohnhäusern dort bis auf 500 Meter, erste Häuser waren von dichten Rauchwolken bedeckt. Menschen aus dem Ort bestiegen die Busse zur Evakuierung der Ortschaft mit wenigen Habseligkeiten in Plastiktaschen. Im Südteil der Insel Lesbos konnte das Feuer noch nicht unter Kontrolle gebracht werden. Dort sollen bereits Tausende Hektar Fläche verbrannt sein, berichtete die Tageszeitung „Kathimerini“. Am Dienstag hieß es dann, im Südteil der Insel Lesbos konnten 85 Feuerwehrleute mit 21 Löschzügen sowie Löschflugzeugen und -hubschraubern die Flammen in Schach halten.

Waldbrände in Griechenland – Nationalpark Dadia schwer getroffen

In Griechenland haben hunderte Feuerwehrleute am sechsten Tag in Folge gegen einen Großbrand in dem für seine Artenvielfalt bekannten Nationalpark Dadia gekämpft. "Die Brandherde weiten sich aus", sagte Dimitris Petrovits, stellvertretender Gouverneur des Regionalbezirks Evros, am Dienstag. Das Feuer hat bereits 2500 Hektar Kiefernwald vernichtet. Die Schäden im insgesamt 428 Quadratkilometer großen Naturschutzgebiet im Nordosten Griechenlands nahe der Grenze der Türkei seien bereits „unermesslich“, sagte dessen stellvertretende Leiterin des Nationalparks, Anna Konstandinidou, im staatlichen Fernsehsender ERT. Einem Feuerwehrsprecher zufolge waren am Dienstag mehr als 300 Feuerwehrleute, vier Löschflugzeuge und sechs Helikopter im Einsatz. Es sei aufgrund der dichten Vegetation „sehr schwierig“, das Feuer unter Kontrolle zu bringen, sagte der Sprecher.
Der wenige Kilometer von der türkischen Grenze entfernte Nationalpark Dadia zählt zu den bedeutendsten Schutzgebieten Europas. Er ist vor allem für seine Kolonie schwarzer Geier bekannt. Er beherbergt fast alle Arten der im Balkan vorkommenden Raubvögel, außerdem mehr als 100 Schmetterlings- und 65 Säugetierarten. Das Vogelobservatorium im Park sei schon komplett zerstört worden, sagte Vize-Parkchefin Konstandinidou. Das „einzige Ziel“ sei es jetzt, den „wichtigsten Bereich“ zu schützen, in dem sich die Nester der schwarzen Geier befänden.

Waldbrände wüten auf der griechischen Halbinsel Peloponnes

Und auch die Halbinsel Peloponnes bleibt nicht verschont: Ein großer Waldbrand im Westen der Halbinsel Peloponnes, der am Sonntag ausgebrochen war, dauerte am Montagnachmittag, 25. Juli 2022, noch an. Am Dienstag, 26.07.2022, hieß es, der Waldbrand konnte vorerst zurückgedrängt werden, aber wurde bis zum Morgen noch nicht vollständig gelöscht. Dort waren 159 Feuerwehrleute im Einsatz, darunter auch 15 deutsche Kollegen, wie die Zeitung „Kathimerini“ berichtete.
Bereits am Samstag, 23. Juli 2022, berichtete der staatliche griechische Rundfunk von kleineren Bränden. Wegen eines Brandes nahe dem Küstenort Koroni mussten die Bewohner der Ortschaft Chrysokelaria ihre Häuser verlassen. Im westlich gelegenen Regionalbezirk Ilia war ein großer Brand ausgebrochen, der auch Wohngebiete gefährdete.

Wo brennt es in Griechenland? Feuer auch in Athen, Chalkidiki & Co.

Doch noch mehr Regionen in Griechenland sind von Bränden betroffen. Unter anderem brannte ein Umspannwerk der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft in der Nähe der Stadt Larisa in Thessalien. Zudem brannte es auf der bei Urlaubern beliebten Halbinsel Chalkidiki südöstlich der Hafenstadt Thessaloniki. Auch am westlichen Rand der Hauptstadt Athen musste wieder gelöscht werden. Nahe Athen wurde erst am 20.07.2022 ein zwei Tagen wütender Waldbrand von der Feuerwehr unter Kontrolle gebracht. Zuvor waren nach Angaben von Katastrophenschutzminister Takis Theodorikakos fast 700 Menschen vor den Flammen in Sicherheit gebracht worden. Der Brand war am 19. Juli am Berg Penteli nördlich der griechischen Hauptstadt ausgebrochen, die Flammen bedrohten die Vororte Penteli, Pallini, Anthousa und Gerakas. Rund 500 Feuerwehrleute, 120 Löschfahrzeuge, neun Flugzeuge und zehn Hubschrauber waren bei der Bekämpfung des Feuers im Einsatz, die durch starke Winde erschwert wurde.
Auch der Ort Stavros wurde am Sonntagnachmittag, 24.07.2022, evakuiert. Aus der Ortschaft Vatera waren seit Samstag mehrere hundert Touristen und Einwohner in Sicherheit gebracht worden. Geschäfte, Hotels und Strandbars wurden von den Flammen beschädigt.

Brände in Griechenland: Wie ist die Lage auf Kreta?

Auch auf der beliebten Urlaubsinsel Kreta gibt es aktuell Feuer. Nahe der kretischen Hauptstadt Rethymno brach im Laufe des Tages wieder ein Brand aus. Auf der Urlaubsinsel Kreta haben Feuerwehrleute bereits am Montag, 18. Juli 2022, gegen die Flammen und die Glut eines Waldbrandes gekämpft, der wenige Tage zuvor ausgebrochen war. 120 Feuerwehrleute waren mit 35 Löschzügen im Einsatz, wie die Tageszeitung „Kathimerini“ berichtete.

Feuer auf Euböa: Suche nach möglichen Brandstiftern

Derweil suchen die griechischen Behörden nach potenziellen Brandstiftern. Auf der Insel Euböa, wo es zuletzt ebenfalls brannte, soll am Montagvormittag ein 60-jähriger Mann festgenommen worden sein. Er stehe nicht nur wegen des jüngsten Brandes auf der Insel, sondern auch wegen anderer Fälle von Brandstiftung unter Verdacht, berichtete die Zeitung „I Efimerida“.

Waldbrände wüteten schon 2021 schwer in Griechenland

Hitze und Brände haben den Menschen in Griechenland bereits 2021 schwer zu schaffen gemacht. Unter anderem waren die bei Touristen sehr beliebte Insel Korfu sowie Rhodos und die Insel Euböa sehr betroffen. Im vergangenen Jahr hatten Waldbrände in Griechenland 103.000 Hektar Vegetation zerstört, drei Menschen kamen dabei ums Leben.
mit dpa und AFP