Die letzte Wahl der Midterms 2022 kommt zum Ende: Am Dienstag, den 6. Dezember 2022 fand im US-Bundesstaat Georgia die Stichwahl um einen Senatssitz statt.
Am 8. November 2022 fanden in den USA Zwischenwahlen statt, die sogenannten Midterms. Für die Demokraten ging die Wahl besser aus, als erwartet: Sie kamen mit einem blauen Auge davon. Die Macht im Repräsentantenhaus haben sie verloren. Dafür konnten sie die Macht im Senat halten. Für die Republikaner war die Wahl eine Enttäuschung: Vor allem die Kandidaten, die die Unterstützung von Ex-Präsident Donald Trump hatten, haben verloren.
Wer hat die Wahl in Georgia gewonnen? Wer sind die beiden Kandidaten?

Warnock oder Walker - Wer hat die Wahl in Georgia gewonnen?

Der demokratische Amtsinhaber Raphael Warnock hat die mit Spannung erwartete Senats-Stichwahl im US-Bundesstaat Georgia gewonnen und damit die Mehrheit der Partei von Präsident Joe Biden im Senat gestärkt. Warnock habe über den von Ex-Präsident Donald Trump unterstützten früheren American-Football-Star Herschel Walker von den Republikanern gesiegt, berichteten die US-Fernsehsender am Dienstagabend (Ortszeit).
Die Stichwahl in Georgia war zwar nicht mehr das Zünglein an der Waage für die Machtverteilung im US-Senat. Trotzdem wurde ihr große Aufmerksamkeit zuteil - unter anderem, weil Walkers Abschneiden als weiteres Indiz für die Chancen von Ex-Amtsinhaber Trump bei dessen bereits verkündeter Bewerbung für die Präsidentschaftswahl 2024 galt.

Wahlen in Georgia: Wann gibt es Ergebnisse?

Im Bundesstaat Georgia in den USA waren die Wahllokale von 7 Uhr morgens bis 19 Uhr geöffnet. In deutscher Zeit war das von 13 Uhr bis 1 Uhr morgens am Mittwoch. Viele Menschen konnten in Georgia aber auch per Briefwahl ihre Stimme abgeben oder über das Wochenende zur früheren Stimmabgabe kommen.
Erste Ergebnisse werden also nicht vor Mittwoch, den 7. Dezember erwartet. Bei der letzten Wahl in dem US-Bundesstaat im Januar 2021 stand das Ergebnis einige Stunden nach Schließen der Wahllokale fest.

Prognosen und Umfragen vor der Stichwahl in Georgia

Die Umfragen sagten vor der Wahl ein enges Rennen voraus. Den jüngsten Umfragen zufolge liegt der Demokrat Raphael Warnock knapp vorne mit 52 Prozent der Stimmen gegen 48 Prozent für seinen Herausforderer Herschel Walker. Andere Umfragen sehen ein noch knapperes Ergebnis voraus.

Kandidaten in den USA: Wer steht zur Wahl in Georgia?

Vor zwei Jahren war es der überraschende Gewinn der beiden Senatssitze in Georgia, der den Demokraten die knappe Kontrolle über die Kammer sicherte. Senatoren werden generell für jeweils sechs Jahre gewählt, aber einer der beiden, Raphael Warnock, muss sich jetzt noch einmal zur Wahl stellen, da er nur die Amtszeit eines früheren Senators abschloss. Gegen den 53 Jahre alten Pastor Warnock schickten die Republikaner Herschel Walker ins Rennen, einen ebenfalls schwarzen 60 Jahren alten ehemaligen Football-Star.
Warnock ist der erste schwarze US-Senator aus Georgia in der Geschichte. Er ist Pfarrer der baptistischen Konfession. Auch wenn er der Überraschungssieger vor zwei Jahren war, sind die Blicke auf seinen Herausforderer gerichtet, der für viele negative Schlagzeilen sorgt. Herschel Walker wird von Donald Trump gefördert und unterstützt. Immer wieder wurde der Politik-Neuling dabei überführt, seinen Lebenslauf geschönt zu haben, hinzu kamen Vorwürfe der häuslichen Gewalt von seiner Ex-Frau und Vorwürfe von gleich zwei Frauen, sie in der Vergangenheit zu Abtreibungen gedrängt zu haben. Dabei tritt Walker als erzkonservativer Abtreibungsgegner auf. Mit bizarren Äußerungen zog der als College-Football-Spieler zur Legende gewordene Kandidat sich zudem immer wieder den Spott von Kommentatoren zu, so etwa, als er bei einem Wahlkampfauftritt über Vampire und Werwölfe fabulierte.

Senatswahl USA: Warum ist die Wahl in Georgia wichtig?

Die Demokraten haben insofern Glück, dass es bei dieser Stichwahl in Georgia nicht mehr um alles geht. Die Mehrheit von 50 Sitzen – plus die Stimme von Vizepräsidentin Kamala Harris – haben sie schon sicher. Gewinnt Warnock in Georgia, kämen sie allerdings auf 51 Sitze. Das wäre den Demokraten natürlich noch lieber: Damit hätten sie ein kleines Puffer.
Ein solches Mini-Polster wäre den Demokraten höchst willkommen - zumal sie mit Joe Manchin vom rechten Parteiflügel einen Senator in ihren Reihen haben, der immer wieder Bidens Reformpläne blockiert hat. Nicht bei jeder Abstimmung auf den machtbewussten Senator aus dem Bundesstaat West Virginia angewiesen zu sein, würde Biden das Leben deutlich erleichtern.
Eine Mehrheit von 51 Senatoren hätte für die Demokraten auch den Vorteil, dass die Ausschüsse des Oberhauses nicht mehr paritätisch besetzt werden müssten. Auch das würde der Regierungspartei die parlamentarische Arbeit einfacher machen, unter anderem bei der Bestätigung von wichtigen Personalentscheidungen in Regierung und Bundesjustiz.
Für die Republikaner geht es derweil um Schadensbegrenzung. Sie hatten gehofft, nach den Midterms sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat zu gewinnen. Das ihnen das nicht gelungen ist, war ein Schock. Die Frage aus den eigenen Reihen heißt nun: Müssen wir uns von Trump und seinen Gefolgsleuten verabschieden? Und wenn ja, wie? Einen möglichen Sieg Walkers dürfte Trump, der 2024 das Weiße Haus zurückerobern will, als seinen Erfolg verkaufen. Und damit könnten die Republikaner doch wieder auf den Rechtspopulisten setzen.