In einem Monat jährt sich der Krieg in der Ukraine zum ersten mal. Am 24. Februar 2022 marschierte Russland in das Nachbarland ein, offenbar mit dem Ziel, die Hauptstadt Kiew zu erobern und eine neue, pro-russische Regierung einzusetzen. Gelungen ist das, nun fast ein Jahr später, nicht. Im Gegenteil: Russland meldet hohe Verluste, die Front scheint sich im Winter kaum noch zu bewegen. Viele Gebiete konnten die Ukrainer aber im Herbst schon zurückerobern.
Zum Jahresbeginn gibt es die Hoffnung, dass sich in diesem Jahr ein Ende des bewaffneten Konflikts auftun könnte. Der russische Präsident Wladimir Putin eine Waffenruhe angeordnet. Zwischen dem 6. und dem 8. Januar soll es eine Feuerpause im Krieg geben. Ob und inwiefern sich die russischen Angreifer daran halten werden, war noch nicht absehbar.
Was bedeuten aber die beiden Begriffe Waffenruhe und Waffenstillstand? Was ist der Unterschied?

Waffenruhe und Feuerpause Bedeutung: Nur eine kurze Pause im Gefecht

Mit einer Waffenruhe oder einer Feuerpause ist im Vergleich zum Waffenstillstand nur ein kurzzeitiger Stillstand gemeint. Es gibt keine vertraglichen Vereinbarungen, an die sich die eine oder andere Partei zu halten hat. Die Waffenruhe dient häufig dazu, eine Pause im Krieg zu haben, damit Verwundete versorgt werden können, humanitäre Hilfe passieren kann und Zivilisten zur Flucht verholfen werden kann. In der Ukraine gab es während der Zerstörung der Stadt Mariupol mehrere Versuche, eine Waffenruhe einzuführen, damit Flüchtlinge aus der zerbombten Stadt entkommen konnten. Die Waffenruhe war zu diesem Zeitpunkt im Krieg schwer einzuhalten.
Da es sich bei der Waffenruhe um keinen Vertrag handelt, können beide Parteien in einem Krieg zu jeder Zeit wieder mit den Kämpfen beginnen.

Waffenstillstand: Die Bedeutung und Geschichte in der Ukraine

Ein Waffenstillstand ist wesentlich konkreter als die Waffenruhe. Oft gibt es sogar einen Vertrag, der dafür sorgen soll, dass die beiden Parteien nicht mehr kämpfen. Der Waffenstillstand ist im Vergleich zur Waffenruhe langfristig gedacht. Der Waffenstillstand ist der erste Schritt zum Frieden, aber von dort aus kann es auch ein langer Weg sein. So gibt es seit 1953 zwischen Nord- und Südkorea ein Waffenstillstandsabkommen, aber noch lange keinen Frieden. Stattdessen gibt es eine klare Demarkationslinie, die die koreanische Grenze darstellt.
Auch in der Ukraine hat es bereits Waffenstillstände gegeben. Nachdem der erste Konflikt in der Ostukraine nach der Annexion der Krim 2014 ausgebrochen war, wurde im Rahmen des Minsker Abkommens ein Waffenstillstand in den beiden Separatistengebieten Luhansk und Donezk vereinbart. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) wurde damit beauftragt, den Waffenstillstand regelmäßig zu überprüfen. Leider hielten sich keine der beiden Parteien langfristig an das Abkommen, weshalb der Frieden scheiterte und es letztlich zum großen Ukraine-Krieg kam.
Sollte es 2023 aber noch einen Friedensversuch geben, wäre ein Waffenstillstand eine Grundlage für Verhandlungen. Solange es weder eine Waffenruhe noch einen Waffenstillstand gibt, besteht auch keine Hoffnung auf Frieden in der Ukraine.