Bildergalerie Das sind die Unwörter der vergangenen Jahre

Es sorgt seit knapp fast 30 Jahren für Schlagzeilen und Diskussionen: Das "Unwort des Jahres" ist ein Negativpreis, den unabhängige Sprachwissenschaftler jedes Jahr vergeben. Wir blicken auf die Unwörter der vergangenen zehn Jahren zurück.
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Es ist das wichtigste Machtinstrument der Arbeitnehmer: Die Betriebsräte setzen sich seit unzähligen Jahren für die Rechte der Arbeiter in Unternehmen ein. Kaum verwunderlich also, dass das Gremium bei manchen Arbeitgebern relativ unbeliebt ist. Das galt auch für einige Abteilungsleiter einer Baumarkt-Kette im Jahre 2009. Sie gingen sogar soweit, Filialen mit Arbeitnehmervertretung intern als "betriebsratsverseucht" zu bezeichnen. Als der Begriff an die Öffenlichkeit gelangte, war die Empörung groß. Der verdiente Lohn: Die Sprachwissenschaftler kürten den Begriff zum "Unwort des Jahres 2009".
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Das Unwort des Jahres 2010 ging auf das Konto der Kanzlerin: In der Eurokrise verteidigte Angela Merkel (Bild) Zahlungen an hochverschuldete EU-Staaten oftmals mit dem Begriff "alternativlos". Damit suggerierte Merkel, dass es "bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion gebe", kritisierten die Sprachwissenschaftler.
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"Das Wort hat die Wahrnehmung vieler Menschen in verhängnisvoller Weise beeinflusst" - so begründete die Fachjury 2011 die Entscheidung, den Begriff "Döner-Morde" zum Unwort des Jahres zu küren. Zuvor hatten viele Medien das Wort benutzt, als sie über die Mordserie an türkischen Geschäftseinhabern zwischen 2000 und 2006 berichteten. Damit hätten sie die Unterstellung gestützt, dass die Ursache der Morde im kriminellen Milieu zu finden sein, urteilten die Experten. Im Jahr 2011 kam heraus, dass der Nationalsozialistische Untergrund hinter den zehn Morden steckte.
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Sein verbaler Vorstoß ging nach hinten los. Im Herbst 2012 sorgte Jörg Kachelmann (Bild) mit den Kampfbegriff "Opfer-Abo" für Schlagzeilen. Mit dem Wort wollte der Wettermoderator ausdrücken, dass Frauen von der Gesellschaft angeblich einen unzulässigen Vertrauensvorschuss bekommen würden. Dafür erntete er von vielen Seiten scharfe Kritik. Das Wort stelle "Frauen pauschal unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden", meinte die Fachjury, die "Opfer-Abo" zum Unwort des Jahres kürte.
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Bereits im Jahre 2013 war Zuwanderung in Deutschland ein großes Thema. Damals ging es aber nicht um Flüchtlinge aus dem Nahen Osten, sondern vermehrt um Einwanderer aus Osteuropa. In dieser Diskussion gewann das Wort "Sozialtourismus" an Popularität. Der Begriff sollte ausdrücken, dass viele Einwanderer nur wegen der Sozialleistungen (Symbolbild) nach Deutschland kämen. Das diskriminiere Menschen, die aus purer Not eine bessere Zukunft in Deutschland suchten, kritisierten die Sprachwissenschaftler. Die Konsequenz: "Sozialtourismus" wurde das Unwort des Jahres 2013.
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Das Wort verbreitete sich auf den Straßen sächsischer Großstädte wie ein Virus: "Lügenpresse, Lügenpresse" skandierten tausende Demonstranten, die im Herbst 2014 gegen die "Islamisierung des Abendlandes" in Dresden, Leipzig und Co. auf die Straße gingen (Bild). Daraufhin kürten die Sprachexperten den Begriff zum Unwort des Jahres. Das Wort diffamierte unabhängige Medien pauschal, so die Begründung. Besonders pikant: Der Begriff nutzten auch die Nationalsozialisten in Deutschland für ihre Propaganda.
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Auch im Jahr 2015 hatte die Flüchtlingswelle (Bild) die Unwort-Debatte fest im Griff. Letztendlich setzte sich der Begriff "Gutmensch" durch. Mit dem Wort seien Menschen beschimpft worden, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge einsetzen, urteilte die Fachjury.
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Er war eines der Opfer des Begriffs: Im Sommer 2016 beschimpften Demonstranten Sigmar Gabriel bei einer Veranstaltung in Salzgitter als "Volksverräter". Daraufhin zeigte der damalige Außenminister den Demonstranten den Mittelfinger. Einige Monate später wählten die Experten den Begriff zum Unwort des Jahres. Das Wort sei ein "Erbe von Diktaturen", hieß es in der Begründung.
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Sie prägte das Unwort des Jahres 2017: Trump-Beraterin Kellyanne Conway (Bild) behauptete, der damalige Pressesprecher des Weißen Hauses Sean Spicer habe "alternative Fakten" benutzt, als er von einer Rekordkulisse bei Trumps Amtseinführung sprach. Seitdem hat sich der Begriff vor allem im rechten politischen Lager etabliert. Dabei sei der Begriff nicht mehr als ein "Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen", so die Sprachwissenschaftler.
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Dass CSU-Politiker Alexander Dobrindt (Bild) mit seinen Statements polarisieren will, ist bereits bekannt. Bei einem Interview im Mai 2018 sei er mit dem Begriff "Anti-Abschiebe-Industrie" aber weit über das Ziel hinausgeschossen, tadelten die Sprachexperten. Das Wort verunglimpfe alle Helfer, "die abgelehnte Asylbewerber rechtlich unterstützen und Abschiebungen auf dem Rechtsweg prüfen".
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Darmstadt / 15. Januar 2019, 17:17 Uhr