Colombo / ANTHONY DAVID, DPA  Uhr
Elefanten sind auf Sri Lanka allgegenwärtig: vor Tempeln, am Strand, in Prozessionen. Viele Touristen reiten auf den Riesen. Doch hinter den schönen Urlaubserinnerungen steckt ein knallhartes Geschäft.

Leise rasseln die Ketten, eine zwischen den Hinter- und eine zwischen den Vorderbeinen, während der Elefant eine Straße auf Sri Lanka entlangtrottet. Die Touristen, die sich auf seinem Rücken durch die saftig grüne Landschaft schaukeln lassen, stören sich nicht daran. Auch sehen sie von ihrem Aussichtsplatz fast zwei Meter weiter oben die Narben nicht, die die Eisen hinterlassen haben. Immer wieder treibt der Mahout - so werden die Elefantenführer genannt - das Tier an: mit einem Ankus, einem spitzen Haken.

Andere Besucher füttern die Elefanten. Sie gehen mit ihnen zusammen im Fluss baden und lassen sich nass spritzen oder posieren für ein Foto auf dem Tier.

Das Elefantenhaus in Pinnawala - von der Regierung "Waisenhaus" genannt - gehört zu den größten Touristenattraktionen des südasiatischen Landes. Umweltrechtsanwalt Jagath Gunawardena: "Die Nachfrage nach Elefanten in der Tourismusindustrie steigt."

Rund 6000 wilde Elefanten leben auf der Insel, das ist die amtliche Schätzung. Jedes Jahr werden es etwa 250 weniger. Angeblich wegen des immer kleiner werdenen Lebensraumes, heißt es offiziell. Wenn einer stirbt, dann meistens, wenn es zu Zusammenstößen von Mensch und Tier komme.

Doch gibt es laut Tierschützern einen weiteren Grund: Tiere würden aus der Wildnis gefangen, um den Bedarf für die Touristen zu decken. Gunawardena: "Um ein Elefantenbaby zu erbeuten, wird die Mutter getötet, da es sehr schwierig ist, sie zu trennen."

In den vergangenen sieben Jahren haben Wilderer mehr als 70 Elefantenkälber auf Sri Lanka eingefangen, schätzt die Organisation Pro Wildlife. "Gesetzeslücken, Korruption und untätige Behörden machen es möglich, Wildfänge als Nachzuchten auszugeben", heißt es in ihrem Bericht. Und das, obwohl die Zucht extrem schwierig sei.

Nur selten werden die Schmuggler erwischt. "Sie haben jede Menge Kontakte", sagt Deepani Jayantha von der Umweltschutzorganisation Born Free Foundation und selbst Veterinärmedizinerin. "Sie freunden sich mit Dorfbewohnern und Farmern an, und besonders mit denjenigen Wildtierhütern, die sich in der Region gut auskennen." Deshalb störe sie meist niemand auf ihren Beutezügen. "Wahrscheinlich helfen ihnen sogar Tierärzte, die die Tiere vor dem Fangen betäuben."

Ein Baby-Elefant könne für viele zehntausend Euro verkauft werden, sagt Sajeewa Chamikara, der Direktor des Umweltschutzfonds in Sri Lanka. Dann würden sie meist von untrainierten, schlecht bezahlten Mahouts betreut und müssten stundenlang angekettet vor Hotels oder Tempeln ausharren.

"Touristen, die nach Sri Lanka kommen und auf Elefanten reiten, sollten sich Gedanken darüber machen, wie die Tiere gehalten werden."

Daniela Freyer, eine Biologin im Dienst von Pro Wildlife, findet, Urlauber sollten Elefanten lieber auf einer Safari in freier Wildbahn sehen. "Alle Tiere in Gefangenschaft werden brutal abgerichtet und unterworfen. Das passiert mit Futter- und Wasserentzug, durch Umwerfen und Schlagen."

Außerdem müssten die Tiere oft allein leben, sagt Freyer. Obwohl sie extrem soziale Herdentiere seien. "Manche Tiere sind traumatisiert, da sie den ganzen Tag alleine herumlaufen müssen."/