CORNELIA WYSTRICHOWSKI  Uhr
Seit zehn Jahren moderiert Rudi Cerne "Aktenzeichen XY". Der Ex-Kufenstar erzählt, wie er den Sprung vom Sport zum Mord geschafft hat und wie er selbst einmal als vermeintlicher Terrorist festgehalten wurde.

Herr Cerne, Sie waren früher erfolgreicher Eiskunstläufer. Wann hatten Sie das letzte Mal Schlittschuhe an?

RUDI CERNE: Das war vor etwa einem Jahr, als ich fürs ZDF einen dreiminütigen Beitrag übers Schlittschuhlaufen gemacht habe. Da ich meine Schlittschuhe schon vor Jahren entsorgt habe, musste ich mir extra neue kaufen. Leider merkt man beim Eiskunstlauf sehr schnell, dass man älter wird: Einfache Sprünge kriege ich noch hin, aber beim Pirouettendrehen wird mir schwindlig.

Nach Ihrer Eis-Zeit wurden Sie Sportreporter, moderierten unter anderem das "Aktuelle Sportstudio". Als Ihnen dann "Aktenzeichen XY" angeboten wurde, sollen Sie das zunächst für einen Streich mit versteckter Kamera gehalten haben . . .

CERNE: Ja, aber das kam nicht von ungefähr. "Verstehen Sie Spaß?" hatte vorher schon zweimal die Fühler nach mir ausgestreckt, das war mir zugetragen worden. Deshalb hatte ich Angst, dass mitten in den Verhandlungen auf einmal Frank Elstner um die Ecke kommt. Aber ich habe dann rasch gemerkt, dass es Ernst war. Viele Kollegen haben mir damals übrigens abgeraten, die dachten, dass Sport und Mord nicht zusammenpassen.

Vom Doppelaxel zum Doppelmord - wie nahe gehen Ihnen denn die brutalen Verbrechen?

CERNE: Ich wundere mich manchmal über mich selbst, aber ich kann nach wie vor nach jeder Ausgabe ruhig schlafen. Ich befolge den guten Rat von Polizisten: Du musst nach der Sendung einen mentalen Schlussstrich ziehen.

Welche Fälle sind Ihnen dennoch an die Nieren gegangen?

CERNE: Den Fall der ermordeten achtjährigen Levke Straßheim fand ich entsetzlich, oder den Mord an Maria Bögerl. Und dann die junge Ärztin, die mit ihrem Mann immer joggen gegangen ist - sie ist im Park links herum gelaufen, er rechts herum. Dabei wurde sie am helllichten Tag niedergestochen. Bis der Mann kam, hat sich ein Paar um die Frau gekümmert, sie starb in den Armen dieser Leute und sagte als Letztes: "Bitte sagen Sie meinem Mann, dass ich ihn liebe." Da musste ich echt schlucken im Studio.

Rund 40 Prozent der in "Aktenzeichen XY" vorgestellten Fälle werden aufgeklärt. Welche Fälle haben besonders gute Chancen?

CERNE: Wenn ich das wüsste! Unlängst hatten wir einen Fall, bei dem uns das BKA um Mithilfe bat, da wurde ein Mann gesucht, der seine krankhaften sexuellen Handlungen an einem Säugling ins Internet stellte. Da dachte ich, dass wir - nach sechs erfolgreichen Fahndungen in ähnlichen Fällen - sofort Hinweise bekommen, die zur Lösung beitragen. 400 Hinweise gingen ein. Der entscheidende Tipp war aber leider nicht dabei. Dagegen wurde in einer anderen Sendung nach 29 Jahren der Mord an Lolita Brieger geklärt. Den Fall haben wir im August 2011 in die Sendung genommen - und tatsächlich hat sich ein Mitwisser des Täters ein Herz gefasst und bei der Polizei angerufen.

Sie wurden einmal selber für einen Verbrecher gehalten. Wie war das?

CERNE: Das war am 27. Dezember 1978. Man hat mich mit Christian Klar verwechselt, der damals einer der meistgesuchten Terroristen war. Ich bin von München nach Düsseldorf geflogen, und irgendjemand auf dem Flughafen in München glaubte, in mir Klar erkannt zu haben - es gab tatsächlich ein Fahndungsfoto, wo er mir sehr ähnlich sah. Beim Verlassen des Flugzeugs kam plötzlich ein Uniformierter mit einer Pistole auf mich zu und sagte: "Nehmen Sie die Hände hoch!" Dann wurde ich abgetastet, das ganze Programm, und ich bin ohne zu murren in ein Büro mitgegangen. Nach etwa 20 Minuten hatte sich die ganze Sache zum Glück aufgeklärt und ein Polizist hat mir sogar noch geholfen, mein Gepäck vom Band abzuholen.