Karlsruhe / HANS GEORG FRANK  Uhr
Das Land Baden-Württemberg hat seine Position als Gourmet-Hochburg verteidigt. Nirgendwo gibt es so viele ausgezeichnete Sternelokale wie im Südwesten. Seit gestern sind es stolze 58.

Die Inspektoren des Gourmetführers Michelin aus Karlsruhe hatten viel zu tun im Südwesten. Chefredakteur Ralf Flinkenflügel musste für den jetzt erschienenen "Guide 2013" so viele Veränderungen vornehmen wie schon lange nicht mehr. Sieben Restaurants konnten nicht mehr mit einem der begehrten Sterne ausgezeichnet werden, weil personelle Veränderungen wie beim "Waldhorn" in Bebenhausen und im "Adler" in Rammingen, neue Konzepte wie in der "Alten Sonne" in Ludwigsburg, Totalaufgaben wie bei "Schassberger" am Ebnisee, beim "Breitenbach" in Stuttgart oder bei "Flohrs" in Singen eine solche Auszeichnung nicht mehr zuließen. Auch eine geplante Auswanderung nach Südafrika wie beim "Strahlenberger Hof" in Schriesheim wirkte sich auf die Sterne-Bilanz des Südwestens aus.

Dennoch hat sich die Zahl der exzellentesten Restaurants von 57 auf 58 erhöht, bundesweit sind es 255 Edel-Wirtshäuser. Die Zahl der Sterne nahm sogar um drei auf 67 zu. Dieser Erfolg ist der Tatsache zu verdanken, dass andere Spitzenköche die Lücken schließen konnten. Dass "Brenners Parkhotel" in Baden-Baden einen von zwei Sternen abgeben musste, wird ausgeglichen durch zwei Aufsteiger. Dirk Hohberg vom "Ophelia" in Konstanz, erst 2012 besternt, konnte zulegen. Douce Steiner und Udo Weiler vom "Hirschen" in Sulzburg haben zu früherem Niveau zurückgefunden.

Stuttgart bekam mit Marc Müller vom "5" und Klaus Jäschke im "Yosh" gleich zwei neue Lokale mit einem Stern. Der "Erbprinz" in Ettlingen, eine Wiege der feinen Küche, schließt mit Ralph Knebel an alte Ehren an. Auch Martin Scharff konnte rasch in den Heidelberger "Schlossweinstuben" so überzeugen wie zuvor in der Pfalz. In Karlsruhe hat Sören Anders im neuen Lokal in Durlach seine Klasse bestätigt. Wolfgang Raub aus Kuppenheim bekam den ersten Stern 1989, jetzt prangt er wieder an der Tür seines Gasthofs. Im Weinort Roßwag bei Vaihingen/Enz hat Steffen Ruggaber die Inspektoren von seiner himmlischen Kochkunst überzeugt.

Anwärter auf die prestigeträchtige und umsatzfördernde Auszeichnung gibt es auch schon. Als Hoffnungsträger wurden Benjamin Maerz in der "Rose" in Bietigheim-Bissingen und Patrick Giboin in der "Krone" in Waldenbuch entdeckt. Dass damit keine höheren Weihen sicher sind, beweist Boris Benecke im "Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe". Er ist 2012 des Doppelsterns für würdig befunden worden, wurde jedoch wieder mit der einfachen Version abgespeist.

Uneinnehmbare Gourmet-Hochburg in Deutschland bleibt Baiersbronn. Mit dem Dreierpack für Harald Wohlfahrt - seit 21 Jahren - in der "Traube Tonbach" und Claus-Peter Lumpp im "Bareiss" sowie einem Stern für Jörg Sackmann im "Schlossberg" kommt auf das Dorf im Schwarzwald ein Stern auf 2200 Einwohner. In München ist das Verhältnis 1:116 666, in Berlin gar 1:233 333.